Das Schwarze Meer

Das Schwarze Meer

Der Bosporus teilt Istanbul in zwei Hälften und verbindet gleichzeitig den europäischen Teil der Stadt mit dem asiatischen Teil der Metropole. Außerdem ist der 32 Kilometer lange und zwischen 660 Meter und 3,2 Kilometer breite Bosporus die Verbindung zwischen dem Marmarameer im Südwesten und dem Schwarzen Meer im Nordosten Istanbuls.

Dabei gehört das Schwarze Meer zu den wenig bekannten und geheimnisvollen Gewässern in Europa, denn lange Zeit blieb den Westeuropäern der Zugang zu der beeindruckend schönen Region weitgehend verwehrt.

Wie das Schwarze Meer entstanden ist

Das Schwarze Meer war lange Zeit ein reines Binnengewässer und gleichzeitig ein Süßwassersee. Wie aus dem einstigen Süßwassersee ein salziges Meer wurde, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Sicher ist nur, dass der Bosporus irgendwann das Schwarze Meer erreichte und in der Folge vor etwa 7.000 Jahren eine dauerhafte Verbindung zum Mittelmeer schuf.

Einige Wissenschaftler vermuten in diesem Zusammenhang eine sintflutartige Überschwemmung des Schwarzen Meeres. Sie nehmen an, dass das Schmelzen der Gletscher zum Ende der letzten Eiszeit zu einem derart großen Anstieg der Weltmeere geführt hat, dass der Bosporus das tiefer gelegene Schwarze Meer geflutet hat. Einige Wissenschaftler gehen sogar noch einen Schritt weiter und vermuten in dieser Region den Ort, an dem die in der Bibel beschriebene Sintflut stattgefunden hat.

Andere Wissenschaftler teilen diese Auffassung nicht. Sie vermuten vielmehr, dass sich der Bosporus im Laufe der Jahrhunderte seinen Weg bis zum Schwarzen Meer gebahnt hat. Statt einer großen Überschwemmung soll er allmählich hineingeflossen sein. Für diese Theorie spricht, dass bei Bohrungen herausgefunden wurde, dass bereits vor 100.000 Jahren Salzwassermuscheln vorhanden waren. Somit muss der erste Kontakt mit Salzwasser länger zurückliegen als 7.000 Jahre.

Das Schwarze Meer und seine Meeresbiologie

Der Bosporus verbindet das Schwarze Meer mit dem Mittelmeer. Über diese Verbindung gelangt Salzwasser ins Schwarze Meer. Durch große Flüsse wie die Donau, den Dnepr oder den Don wiederum fließt permanent Süßwasser ins Schwarze Meer. Dies hat zur Folge, dass der Salzwassergehalt im Schwarzen Meer nur etwa halb so groß ist wie in den Weltmeeren.

Außerdem teilt sich das Schwarze Meer in zwei Schichten. Die obere Wasserschicht ist leichter und enthält weniger Salz, die untere Wasserschicht ist schwerer und salzhaltiger. Zwischen den beiden Schichten findet so gut wie kein Wasseraustausch statt. Seit etwa 4.000 Jahren ist in der unteren Wasserschicht kein Sauerstoff mehr vorhanden. Wissenschaftler sprechen in diesem Zusammenhang von anoxischem oder anaeroben Wasser und liefern dafür folgende Erklärung: Das organische Material aus der oberen Wasserschicht fiel konstant in die untere Wasserschicht. Dort wurde es mikrobiologisch abgebaut, wobei für den Abbau Sauerstoff notwendig ist.

Gleichzeitig steigt vom Meeresboden Methan auf. Methan verbraucht ebenfalls Sauerstoff. Dies führte dazu, dass sich der Sauerstoffgehalt zunehmend verringerte, bis er vor rund 4.000 Jahren schließlich aufgebraucht war. Seitdem enthält nur die obere Schicht, die eine Tiefe von rund 150 Meter aufweist, sauerstoffhaltiges Wasser. In der unteren Wasserschicht hingegen gibt es, von einigen wenigen Mikroorganismen abgesehen, kein Leben.

Dabei ist die untere Wasserschicht gewaltig, denn das Schwarze Meer ist immerhin bis zu 2.200 Meter tief. Dafür ging es in der oberen Wasserschicht aber umso lebendiger zu. Unzählige Arten von Wasservögeln und Fische in schier grenzenlosen Mengen waren im Schwarzen Meer heimisch.

Heute sieht die Situation etwas schlechter aus. Statt Frischwasser transportieren die großen Zuflüsse vor allem Abwässer, an den Küsten sind viele Laichplätze der Fische den städtischen Bauwerken zum Opfer gefallen und die Anzahl an Klärwerken ist überschaubar.

Wie das Schwarze Meer zu seinem Namen kam

Es gibt verschiedene Theorien dafür, wie das Schwarze Meer zu seinem Namen kam. Eine auf den ersten Blick sehr naheliegende Erklärung wäre, dass das Schwarze Meer tatsächlich sehr trüb ist. Viel tiefer als einen halben Meter lässt sich nicht schauen. Die Namensgebung hat aber historische Wurzeln. Eine Theorie setzt bei den Osmanen an. Als sie Anatolien eroberten, brauchten sie einen Namen für das Gewässer.

Deshalb übernahmen die Osmanen zunächst die Bezeichnung der Genuesen und Venezianer, die hier Kolonien gebildet hatten. Bei ihnen hieß das Gewässer „Mare Maggiore“, zu Deutsch „Großes Meer“. Ins Türkische übersetzt wurde daraus „Kara Deniz“. Allerdings war „kara“ nicht nur die Vokabel für groß, sondern auch für finster oder trüb. Im Laufe der Zeit wurde dann „kara“ nur noch in der Bedeutung finster oder trüb verwendet.

Anrainer wie die Russen, die Ukrainer oder die Bulgaren übernahmen schließlich den Namen „Schwarzes Meer“.

Eine andere Theorie vermutet die Namensherkunft ebenfalls bei den Osmanen. Die Osmanen nutzen nämlich Farben als Bezeichnung für die Himmelsrichtungen. So stand bei ihnen Rot für den Süden, Weiß für den Westen, Blau für den Osten und Schwarz für den Norden.

Davon abgeleitet ergaben sich die Namen für die umliegenden Meere. Das Meer im Süden wurde somit zum „Roten Meer“ und die Ägäis im Westen zum „Weißen Meer“. In Sprachen wie Bulgarisch und Serbisch heißt die Ägäis übrigens bis heute Weißes Meer. Das Meer im Norden wiederum erhielt den Namen „Schwarzes Meer“.

 

Die Besiedlung der Schwarzmeerregion

Im Laufe der Geschichte wurde die Region um das Schwarze Meer von den verschiedensten Völkern besiedelt. Fast alle Völker, die im ersten Jahrtausend vom Osten in den Westen gewandert sind, kamen an der Nordküste vorbei und ließen sich hier zumindest zeitweise nieder.

Außerdem führte der nördliche Teil der Seidenstraße, einem sehr bedeutenden Handelsweg, am Schwarzen Meer entlang. Weitere Gründe für eine Besiedlung waren das milde Klima, die sehr reichen Fischbestände und die fruchtbaren Böden.

Aus deutscher Sicht spielte Zarin Katharina die Große eine entscheidende Rolle bei der Besiedlung der Schwarzmeerregion. Im 18. Jahrhundert waren viele Bewohner der Schwarzmeerregion ins Osmanische Reich übergesiedelt. Katharina die Große aber hatte das große Potenzial der Gegend erkannt. Durch einen Zugang zum Meer nach Süden hin, den Bau von Häfen und den Ausbau der Landwirtschaft wollte sie den russischen Handel voranbringen.

Allerdings bezweifelte sie, dass die Russen dies schaffen würden. Deshalb warb sie Europäer an, denen sie im Gegenzug für ihre Besiedlung zahlreiche Privilegien einräumte. Im Laufe der Zeit entstanden so Dörfer, in denen beispielsweise nur deutsche, polnische oder ungarische Siedler wohnten. Ein friedliches Nebeneinander war deshalb möglich, weil jede Nation für bestimmte Arbeiten zuständig war. Konkurrenz machten sich die Siedler somit gegenseitig nicht. Durch den Aufstieg Stalins und spätestens mit Beginn des Zweiten Weltkrieges war dieses Kapitel der Geschichte jedoch beendet.

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Veröffentlicht von

Redakteure

Emine Gülcan, 46 Jahre, Immobilienmaklerin in Istanbul und Marmaris, Malek Sahouri, 35 Jahre, Reiseblogger, Mehmet Keskin, 42 Jahre, Rechtsberater und Christian Gülcan, Betreiber und Redakteuer dieser Webseite, schreiben hier Wissenswertes zu den Immobilienerwerb in Istanbul bzw. in der Türkei, geben viele Tipps und Reiseinformationen für die Region.

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