Der türkische orientalische Hamam

Der türkische orientalische Hamam

 

Eine ruhige, behagliche Atmosphäre, eine stimmungsvolle Beleuchtung und herrliche Düfte – dieses Ambiente erwartet die Gäste eines türkischen Hamams. Doch das orientalische Bad lädt nicht nur dazu ein, in die Stimmung aus 1001 Nacht einzutauchen und die Seele baumeln zu lassen. Vielmehr sind das Dampfbad und die traditionelle Massage auch eine Wohltat für den Körper und eine sichtbare Verjüngungskur für die Haut. 

 

Der Ablauf von einem türkischen Hamam

Der Gast trägt ein Tuch aus Baumwolle, wenn er das Badehaus betritt. Das Baumwolltuch hat traditionell ein rot-weißes Karomuster. Der Besuch im türkischen oder orientalischen Hamam folgt dann einem festen Ablauf, der vier Stationen umfasst:

 

1. Die rituelle Waschung

Die erste Station ist der Heißraum, in dem eine Temperatur von 50 Grad Celsius und eine Luftfeuchtigkeit von 65 Prozent herrschen. Hier setzt sich der Gast zunächst neben ein Becken aus Marmor. Mithilfe einer bereitstehenden Kupferschale entnimmt er dem Marmorbecken das angenehm warme Wasser, das er vom Kopf bis zu den Füßen über seinen ganzen Körper gießt. 

 

2. Das entspannende Schwitzbad

Nach der rituellen Waschung kann sich der Gast auf dem Steinpodest ausruhen und entspannen. Das warme Steinpodest ist üblicherweise recht großzügig bemessen, so dass sich ein Gast auch dann bequem hinlegen kann, wenn mehrere Personen anwesend sind.

Das Steinpodest wird auch Nabelstein genannt. An den Wänden des Heißraumes verteilen sich mehrere Nischen, Erker oder kleine Brunnen, in denen warmes und kaltes Wasser vor sich hinplätschert. Dadurch ist das feuchte Raumklima sichergestellt. Das Zusammenspiel aus dem nach der Waschung nassen Baumwolltuch und dem warmen Steinpodest sorgt dafür, dass der Körper weder überhitzt noch auskühlt. Gleichzeitig tritt eine herrliche Entspannung ein, die Muskeln lockern sich und die Hautporen gehen auf. 

 

3. Die traditionelle Massage

Auf die Waschung und die Entspannung im Schwitzbad folgt der Einsatz des Hamam-Meisters, der auch als Masör bezeichnet wird. Der Hamam-Meister beginnt mit einem Peeling. Dafür verwendet er einen speziellen Handschuh aus Ziegenhaar, Seide oder Kokosfasern. Mit dem Massagehandschuh reibt der Hamam-Meister über den Körper des Gastes.

Dadurch werden abgestorbene Hautschüppchen entfernt, Ablagerungen auf den obersten Hautschichten beseitigt und die Durchblutung angekurbelt. Nach dem Peeling ist die Haut von altem Ballast befreit, kann wieder atmen und fühlt sich herrlich weich an. Dann geht es mit der Seifenschaummassage weiter. Dafür taucht der Hamam-Meister ein kleines Leinensäckchen in flüssige, verdünnte Kernseife, bläst das Leinsäckchen auf und drückt es immer wieder zusammen, bis große Flocken aus Seifenschaum austreten.

Eingehüllt in den zarten Seifenschaum, wird der Körper des Gastes nun gekonnt gedehnt, geknetet, gerieben und massiert. Zwischendurch wird der Körper mit Wasser abgespült, um dann erneut eingeseift zu werden. Die Seifenschaummassage dauert etwa 20 Minuten lang.   

 

4. Die Ruhephase

Für den krönenden Abschluss seines Hamam-Besuchs begibt sich der Gast nach der Massage in einen Raum, der allein schon wegen der Optik ein echtes Highlight ist. Markenzeichen dieses Raums ist eine wunderschöne Kuppeldecke mit Öffnungen in Form von Sternen.

Die Kuppel, die das himmlische Firmament symbolisiert, lässt sanftes Licht in den Raum und sorgt so für eine ruhige Wohlfühlatmosphäre. Hinzu kommt die angenehme Temperatur in dem Raum, die etwa der Körperwärme entspricht und es leicht macht, abzuschalten und allen Stress hinter sich zu lassen. Ein Glas Tee sorgt schließlich für den perfekten Ausklang der altehrwürdigen Badetradition.

 

Der traditionelle Hamam im modernen Istanbul

Hierzulande erfreut sich der türkische Hamam großer Beliebtheit. Nicht zuletzt durch den Boom in Sachen Wellness fand auch eine Rückbesinnung auf traditionelle Badekulturen statt. Immer mehr Thermen, Wellnesstempel und Schwimmbäder erweitern ihr Angebot um ein orientalisches Hamam.

Ganz klassische Badehäuser nach echtem türkischem Vorbild sind jedoch (noch) eher die Ausnahme. Besucht ein Gast ein Badehaus nach alter Tradition, wird er zwar mit einer überaus wohltuenden Anwendung belohnt, doch die Wartelisten sind meist sehr lang. In Istanbul ist das anders. Hier muss der Gast meist nicht lange warten, bis sich ein Hamam-Meister Zeit für ihn nimmt.

Überhaupt sollte der Besuch eines orientalischen Hamams bei einer Türkeireise unbedingt auf dem Programm stehen. Die beeindruckende Architektur, die herrliche Atmosphäre, die Fertigkeiten des Masörs und nicht zuletzt das wohltuende Erlebnis werden sicher zu den unvergesslichen Highlights gehören. Auf einheimische Badegäste wird der Tourist aber vermutlich kaum treffen. Die Zeiten, in denen die traditionellen Badehäuser einerseits Orte der rituellen Reinigung und andererseits gesellschaftliche Treffpunkte waren, sind in der Türkei nämlich vorbei.

Zum Waschen ist das heimische Badezimmer da und wer andere treffen möchte, nutzt die gastronomische Vielfalt. Zudem zeichnet sich in Istanbul und anderen türkischen Großstädten seit einiger Zeit ein anderer Trend ab: Statt des türkischen Hamams steht die Saunakultur und hier insbesondere die finnische Sauna hoch im Kurs.

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Veröffentlicht von

Redakteure

Emine Gülcan, 46 Jahre, Immobilienmaklerin in Istanbul und Marmaris, Malek Sahouri, 35 Jahre, Reiseblogger, Mehmet Keskin, 42 Jahre, Rechtsberater und Christian Gülcan, Betreiber und Redakteuer dieser Webseite, schreiben hier Wissenswertes zu den Immobilienerwerb in Istanbul bzw. in der Türkei, geben viele Tipps und Reiseinformationen für die Region.

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