Die Bauwirtschaft in Istanbul

Die Bauwirtschaft in Istanbul

 

Auch die Bauwirtschaft in Istanbul hat die Auswirkungen der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise zu spüren bekommen. Insgesamt wurde sie davon aber kaum getroffen und konnte sich zudem sehr schnell von den kurzzeitigen Einbußen erholen.

Die Nachfrage nach Wohnraum und Geschäftsgebäuden ist nach wie vor ungebrochen und der Bausektor hat sich zu einem wichtigen und stabilen Motor für das Wirtschaftswachstum entwickelt. Gleichzeitig gewinnen jedoch die Themen Modernisierung, Energieeffizienz und Wärmedämmung zunehmend an Bedeutung.

 

Der Bedarf und die Marktentwicklung in Istanbul

Istanbul wächst konstant. Doch während die Einwohnerzahl steigt, sinkt gleichzeitig die Größe eines durchschnittlichen Haushalts. Dies führt dazu, dass die Nachfrage nach Wohnraum in Istanbul größer wird. Hinzu kommt ein hoher Bedarf an Instandsetzungs-, Sanierungs- und Renovierungsmaßnahmen, denn viele bestehende Immobilien sind in keinem allzu guten Zustand.

Außerdem gibt es in Istanbul eine Reihe von Bauten, die zunächst als Spontansiedlungen entstanden sind, nach und nach legalisiert und im Laufe der Jahre dann ausgebaut wurden. Viele dieser Häuser entsprechen weder den geltenden Baubestimmungen noch anderen Standards.

Teilweise können diese Bauten noch saniert und modernisiert werden, teilsweise werden sie aber auch abgerissen und durch neue Gebäude ersetzt. Strengere Regelungen im Hinblick auf den Energieverbrauch erhöhen außerdem die Nachfrage nach Bauisolationsmaterialien. Investoren und Immobilienkäufer profitieren dabei von dem günstigen Zinsniveau, das sich positiv auf die Finanzierungsmöglichkeiten auswirkt.

Generell sind die Leerstandsquoten in Istanbul vergleichsweise niedrig. Vor allem im Bereich von hochwertigen Büroimmobilien war die Nachfrage bisweilen höher als das Angebot. Gleichzeitig werden immer mehr Bauprojekte nicht im Stadtzentrum, sondern außerhalb, an neu entwickelten Standorten am Stadtrand realisiert.

So entstehen nach wie vor Organize Sanayi Bölgesi, kurz OSB, und in diesen neuorganisierten Industriegebieten können auch moderne Gewerbebaukonzepte umgesetzt werden. Privatisierungen führen dazu, dass die öffentliche Hand eigene Investitionen in den Gebäudebau zurückfährt. Dies betrifft hauptsächlich Bereiche wie Gesundheit und Bildung, aber teils auch die Infrastruktur. Gleichzeitig steigen die Investitionen von institutionellen und privaten Investoren in anspruchsvolle Bauprojekte wie Krankenhäuser, Hochschulen und Einkaufscenter.

 

Die Bauwirtschaft in Istanbul

Die Regierung schätzt, dass in den kommenden Jahrzehnten Investitionen im zweistelligen Milliardenbereich notwendig sind, um den Istanbuler Baubestand so aufzurüsten, dass er einem großen Erdbeben standhält. Gleichzeitig sehen die Planungen vor, marode und alte Gebäude abzureißen und neue Häuser mit höheren Standards zu errichten.

Um das Wachstum der Stadt weiterhin zu gewährleisten, sollen außerdem weitere Areale für den Wohnungsbau erschlossen und frühere, inzwischen stillgelegte Industrie– und Gewerbeflächen in Bauland für Geschäfts- und Bürogebäude umgewandelt werden.   

Beeinflusst wird die Bauwirtschaft aber noch von einem anderen Faktor. Bislang lässt die Wärmeisolierung vieler Häuser zu wünschen übrig und veraltete Heizungen, Klimaanlagen und Haushaltsgeräte treiben den Energieverbrauch in die Höhe. Auf der anderen Seite sind die Preise für Strom und Gas in Istanbul in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen. 2008 wurde eine Verordnung zur Energieeffizienz von Gebäuden erlassen, die am 05. Dezember 2009 in Kraft getreten ist.

Seitdem müssen bei allen Neubauten die Bausisolierungen, die Effizienz von Heizungs-, Kühlungs- und Belüftungsanlagen und die Beleuchtung detailliert bewertet werden. Die Ergebnisse werden in einen Gebäudepass, auf türkisch Enerji Kimlik Belgesi, eingetragen und einer Kategorie zwischen A und G zugeordnet. Für bestehende Gebäude müssen bis zum 02. Mai 2017 Gebäudepässe erstellt werden. Ein solcher Gebäudepass ist dann zehn Jahre lang gültig. Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, dass der Energieverbrauch deutlich gesenkt und der CO2-Ausstoß reduziert werden kann. 

 

Die Geschäftspraxis der Istanbuler Bauwirtschaft

Statistiken zufolge fließen weit über ein Drittel der Gesamtinvestitionen in Bauvorhaben. Mehr als die Hälfte der Mittel werden dabei in den Wohnungsbau investiert, der Rest verteilt sich etwa zu gleichen Teilen auf den sonstigen Gebäudebau und auf Infrastrukturprojekte.

Staatliche Bauvorhaben werden ab einer bestimmten Größenordnung üblicherweise international ausgeschrieben. Veröffentlicht werden die Ausschreibungen im Staatsanzeiger Resmi Gazete und zusätzlich dazu oft auch in anderen Presseorganen. Bei Großprojekten finden teilweise Vorqualifizierungsverfahren statt. Die Anstalt für öffentliche Ausschreibungen Kamu Ihale Kumuru, kurz KIK, fungiert dabei als oberste Aufsichtsbehörde.

Um das Marktgeschehen beobachten, öffentliche Ausschreibungen kurzfristig verfolgen und Kontakte zu möglichen Investoren aufbauen und pflegen zu können, ist es durchaus ratsam, eine Niederlassung in Istanbul zu betreiben. Überaus hilfreich kann außerdem die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Istanbuler Partner sein. Zum einen kennt er mögliche Stolpersteine im Umgang mit beispielsweise Behörden und anderen Stellen.

Zum anderen steigen die Chancen, Aufträge an Land zu ziehen. Dies liegt daran, dass persönliche Kontakte und Beziehungen die Grundlage für einen Großteil aller Abschlüsse bilden. In der türkischen Geschäftswelt gilt das Motto, dass Verträge zwischen Menschen und nicht zwischen anonymen Firmen gemacht werden.

Reine Bauarbeiten werden üblicherweise von Istanbuler Unternehmen durchgeführt. Sie verfügen meist über viel Erfahrung in der Branche, beschäftigen gut ausgebildetes Personal und arbeiten qualitativ hochwertig und zuverlässig. Für ausländische Unternehmen wiederum ergeben sich in erster Linie Chancen, wenn es um Technologien, um Planungs-, Beratungs- und andere Ingenieurdienstleistungen oder um die Belieferung mit Technologie- und hochwertigen Baubedarfsprodukten geht.

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Redakteure

Emine Gülcan, 46 Jahre, Immobilienmaklerin in Istanbul und Marmaris, Malek Sahouri, 35 Jahre, Reiseblogger, Mehmet Keskin, 42 Jahre, Rechtsberater schreiben hier Wissenswertes zu den Immobilienerwerb in Istanbul bzw. in der Türkei, geben viele Tipps und Reiseinformationen für die Region.

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