Ein Streifzug durch die islamische Kunst, 1. Teil

Ein Streifzug durch die islamische Kunst, 1. Teil

Wer in Istanbul unterwegs ist, wird an vielen Stellen auf islamische Kunst treffen. Aber was macht diesen Kunststil eigentlich aus? Wie ist er entstanden? Wodurch unterscheidet er sich von anderen Kunstrichtungen? Und welche Werke sind berühmte Vertreter?

Kunst im Islam

Fragen über Fragen! Um sie zu beantworten, gehen wir in einem mehrteiligen Beitrag auf einen kleinen Streifzug durch die islamische Kunst.

Dabei geht es im 1. Teil um Grundsätzliches:

 

Zunächst eine kurze Einführung

Um die islamische Kunst zu verstehen und richtig einordnen zu können, ist es notwendig, die religiösen Hintergründe zu kennen. Natürlich lässt sich eine Weltreligion nicht in wenigen Worten erklären. Mit Blick auf die Kunst sollte eine kurze Einführung aber ausreichen.

Begründer des Islam ist der Prophet Mohammed. Die Offenbarungserlebnisse, die er empfing, wurden im Koran festgehalten. Der Koran ist die heilige Schrift des Islam, vergleichbar mit der Bibel im Christentum. Nachdem es im Jahr 622 zu religiösen Auseinandersetzungen zwischen Mohammed und der arabischen Obrigkeit gekommen war, floh der Prophet von Mekka nach Medina. Diese Flucht wird als Hedschra bezeichnet und markiert den Beginn der islamischen Zeitrechnung. Dabei basiert die islamische Zeitrechnung, anders als im Christentum, auf den Mondjahren.

Mohammeds Anhänger schlossen sich zu einer Gemeinschaft zusammen und verbreiteten den Islam im gesamten arabischen Raum. Der Prophet wurde zum geistlichen und zum politischen Oberhaupt. Als Mohammed starb, erbten die Kalifen als seine Nachfolger ein Arabien, das sowohl religiös als auch politisch geeint war. In den folgenden Jahrzehnten breitete sich das islamische Reich dann über Syrien, Persien, Ägypten und kleinere Gebiete in Spanien und Indien aus. Der Koran blieb das Band, das das Reich vereinte. Allerdings entstanden in den verschiedenen Kalifaten unterschiedliche Glaubensrichtungen.

Das Wort Islam beschreibt die bedingungslose Hingabe gegenüber dem Willen Allahs. Die Gläubigen nennen sich selbst Muslime. Den Mittelpunkt der Religion bildet der Koran. Mohammed gilt als derjenige, der den Glauben überbracht hat. Anders als beispielsweise Jesus ist Mohammed aber kein Heiliger und Allah auch nicht ebenbürtig. Dabei vertritt der Islam die Überzeugung, dass es nur einen Gott gibt. Beim Gebet richten sich Muslime gen Mekka. Dort steht die Kaaba, ein heiliges Bauwerk in Form eines Würfels mit einem schwarzen Stein an der südöstlichen Seite. Der Stein könnte ein Meteorit sein.

Die erste islamische Gemeinschaft mit Mohammed als Vorstand war sowohl eine Glaubensgemeinschaft als auch ein politischer Verbund. Die späteren Gemeinschaften behielten dieses System bei. Eine klare, strenge Trennung zwischen Geistlichem und Weltlichem, zwischen Religion und Staat gab und gibt es deshalb nicht. Das wiederum hat auch Einfluss auf die islamische Kunst und Kultur.

 

Das Verbreitungsbiet und die Stile der islamischen Kunst

Das religiöse Bündnis und der Koran als verbindendes und zugleich verbindliches Element konnten eine Brücke zwischen den natürlichen Unterschieden der verschiedenen islamischen Länder schlagen. Anders als in der christlichen Kunst sind in der islamischen Kunst die sakrale und die profane Gestaltung sehr nah beieinander. Dabei bilden die Architektur und das Kunsthandwerk die Schwerpunkte der islamischen Kunst.

Seit dem 7. Jahrhundert erstreckt sich das Einflussgebiet der islamischen Kunst von Südspanien über Nordafrika bis nach Syrien und von der Türkei über den Irak und den Iran bis nach Nordindien. Die Wurzeln des Kunststils liegen in der byzantinischen Kunst der späten Antike. Von ihr wurden sowohl die Techniken als auch die Kunsthandwerker übernommen. Ab dem 11. Jahrhundert wurden Porzellanarbeiten aus China zu den Vorbildern für die arabischen Keramiken.

Der Islam verbietet es, Lebewesen bildhaft darzustellen. In der Folge entwickelte die islamische Kunst ein reiches Repertoire an Ornamenten. Vor allem an Bauwerken lassen sich schmückende Dekore, die beispielsweise aus Ranken, Blumen, Sternen, Flechtmustern oder grafischen Elementen bestehen, bewundern. Auch die Kaligraphie, also die Kunst der Schönschrift, spielt eine große Rolle. Im höfischen und im bürgerlichen Bereich wurde das Bilderverbot aber immer wieder durchbrochen. So finden sich in der Buchmalerei, aber auch auf Keramiken und Bodenverzierungen häufig Abbildungen von Menschen und Tieren.

Während sich der Islam verbreitete und das Reich wuchs, bildeten sich örtliche und kulturelle Unterschiede heraus. Gleichzeitig entwickelten sich verschiedene Glaubensrichtungen. Das schlug sich auch in den Kunststilen nieder.

In diesem Zusammenhang wird die islamische Kunst deshalb in folgende Epochen und Richtungen eingeteilt:

  • Kunst der Onaijaden
  • Abbasidische Kunst
  • Kunst der Fatimiden
  • Kunst der Seldschuken
  • Persisch-mongolischer Stil
  • Kunst der Mamelucken
  • Maurischer Stil
  • Kunst der Safawiden
  • Mogulstil
  • Osmanische Kunst

Im nächsten Teil schauen wir uns die Architektur an. Und dabei werden wird auch dem einen oder anderen Bauwerk in Istanbul begegnen. Im dritten Teil schließlich kümmern wir uns um Keramiken, Teppiche, die Buchmalerei und andere Bereiche der islamischen Kunst.

Mehr über die islamischen Künste erfahren sie auch hier: https://www.koozal.de/islamische-kunst/

 

Mehr Ratgeber, Tipps und Anleitungen:

Thema: Ein Streifzug durch die islamische Kunst, 1. Teil

Veröffentlicht von

Redakteure

Emine Gülcan, 46 Jahre, Immobilienmaklerin in Istanbul und Marmaris, Malek Sahouri, 35 Jahre, Reiseblogger, Mehmet Keskin, 42 Jahre, Rechtsberater schreiben hier Wissenswertes zu den Immobilienerwerb in Istanbul bzw. in der Türkei, geben viele Tipps und Reiseinformationen für die Region.

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