Ein Streifzug durch die islamische Kunst, 2. Teil

Ein Streifzug durch die islamische Kunst, 2. Teil

Islamische Kunst ist natürlich auch in Istanbul anzutreffen. Doch hierzulande hält sich das Wissen über diese Kunstrichtung oft in Grenzen. Grund genug, einmal einen kleinen Streifzug durch die islamische Kunst zu unternehmen.

Bauwerke im Islam

Wir machen das in einem mehrteiligen Beitrag. Dabei haben wir uns im 1. Teil um Grundlegendes gekümmert.

Jetzt, im 2. Teil widmen wir uns der Architektur:

 

Die islamische Baukunst im Überblick

Auch die islamische Baukunst lässt sich in die profane und die sakrale Architektur einteilen. Zu den wichtigsten Bauwerken im Bereich der Profanarchitektur zählen Stadthäuser und Wüstenschlösser, Befestigungsanlagen, Zisternen und Krankenhäuser.

Dazu kommen Grabbauten, sogenannte Mausoleen, und die Bäder namens Hamam. Die islamische Sakralarchitektur wiederum widmet sich in erster Linie Moscheen, Klöstern und Koranschulen. Das Element, das den islamischen Baustil prägt und alle Bereiche der islamischen Architektur miteinander verbindet, ist das Flächenornament.

 

Die islamische Sakralarchitektur

Die ersten einfachen Moscheen wurden unter der Herrschaft der Omaijaden um 640 nach Christus errichtet. Architektonisch orientierten sie sich am Wohnhaus von Mohammed in Medina. Der Prophet hatte den Hof seines Hauses genutzt, um sich mit Gläubigen zum Gebet zu versammeln. Und so wurde ein von Mauern eingerahmter Innenhof zum Hauptmerkmal der frühen Moschee. Als Schutz vor der Hitze war der Innenhof mit einem Dach aus Palmenblättern überdeckt.

Die Religion schreibt vor dem Gebet rituelle Waschungen vor. Aus diesem Grund hat jede Moschee einen Brunnen. Meist ist dieser im Innenhof zu finden. Die Rückwand der Moschee ist mit einer Gebetsnische ausgestattet. Ausgerichtet nach Mekka, weist sie den Gläubigen die Richtung für ihr Gebet. Rechts neben der Gebetsnische ist meist eine Kanzel angeordnet. Von dieser Kanzel aus wird gepredigt und das Freitagsgebet gesprochen. Einige Moscheen haben außerdem erhöhte Podeste für die Geistlichen und abgetrennte Emporen, die für die Herrscher vorgesehen waren.

Der byzantinische Einfluss brachte die Basilika als Vorbild ins Spiel. Folglich wurde der zunächst quadratische, nur von Mauern umgebene Bereich der Moschee um Seitenschiffe erweitert. Dadurch entstand mehr Raum für die Gläubigen. Auch die Moschee mit einer großen, zentralen Kuppel geht auf die byzantinisch-römische Tradition zurück. Aus Zentralasien wiederum wurde die Moschee mit zentralem Hof und einem Iwan an jeder Seite übernommen. Ein Iwan ist eine überdachte Nische.

Der Turm namens Minarett, von dem aus die Gläubigen zum Gebet gerufen werden, ist oft direkt mit der Moschee verbunden. Die klassische Form sieht ein einzelnes Minarett vor. Es gibt aber auch Moscheen, die zwei, vier oder sogar sechs Gebetstürme haben.

Neben der Moschee gehört die Koranschule, die sogenannte Medrese, zu den prägenden Bauwerken der islamischen Sakralarchitektur. Ähnlich wie die Moschee hat auch die Medrese einen Hof, der von Mauern umgeben ist. Die Eingänge sind in Form von Iwanen gestaltet. Dabei hat die Koranschule vier Eingänge, die die vier unterschiedlichen Schulen, nach denen der Koran ausgelegt wird, symbolisieren sollen.

In dieser Form wurde die Koranschule ab dem 12. Jahrhundert gebaut. Ebenfalls prägend für die islamische Baukunst ist das Ribat. Ein Ribat ist ein befestigtes Kloster. Seine Bauweise folgt dem typischen viereckigen Grundriss – mit einer Moschee in der Mitte und einem Wachturm in jeder Ecke.

 

Die Formen und dekorativen Elemente in der islamischen Baukunst

Die islamische Baukunst nahm sich antike Steinbauten, Ziegelbauten aus Mesopotamien und Stuckwerk als Vorbilder. Es wurden bevorzugt offene und leichte Bauwerke errichtet, die aufwändig mit Stuckornamenten in floralen und geometrischen Formen verziert wurden.

Daneben wurde ab dem 11. Jahrhundert gerne mit sogenannten Muqarnas gearbeitet. Das sind Zierelemente, die wie Steine in Tropfsteinhöhlen von der Decke herunterhängen und eine Verbindung zwischen der Kuppel und der Wand schaffen. Diese Zierelemente wurden sowohl aus Stein als auch aus Stuck, Keramik und Holz gefertigt.

Bögen spielen in der islamischen Baukunst ebenfalls eine wichtige Rolle. Es gibt eine große Vielfalt an Bogenformen, die Bögen aus verschiedenen anderen Stilrichtungen aufgreifen und zu dekorativen Zwecken eingesetzt wurden. Angelehnt an die byzantinische Baukunst war der Rundbogen besonders beliebt, später auch der Spitzbogen. Vor allem in Marokko und Spanien ist der Hufeisenbogen häufig zu finden. Aber auch Bögen in Form von Kleeblättern oder Bögen mit mehreren Segmenten wurden gerne gestaltet.

Ein weiteres prägendes Stilelement der islamischen Baukunst ist die Kuppel. Beeinflusst von der byzantinischen Tradition, hat die Kuppel meist die Form eines Halbkreises. Für den zentralasiatischen Stil ist der Tambour typisch. Der Tambour ist ein trommelförmiger Sockel, der die Kuppel trägt. Dabei hatte die Kuppel bei den Mongolen die Form einer Zwiebel, während die Turkmenen ihre Kuppeln mit konischen Dächern gestalteten.

In Indien wiederum waren leichte, baldachinähnliche Aufbauten mit zierlichen Säulen beliebt.
Vor allem in der persischen Baukunst war der Iwan ein bevorzugtes Stilelement. Die überdachten und monumental ausgearbeiteten Nischen nutzen islamische Herrscher für Audienzen und Gerichtsverfahren. Häufig waren die Iwane so angeordnet, dass sie die vier Ecken des Innenhofes einer Mosche bildeten. Der Hauptiwan war dann nach Mekka ausgerichtet und von zwei Minaretten eingerahmt.

Auch als Eingang für Mausoleen wurden Iwane genutzt.
Ein Merkmal der islamischen Baukunst ist die meist sehr üppig verzierte Fassade. Dafür wurden Backsteine in geometrischen Mustern angeordnet oder bunt glasierte Ziegel in kunstvoller Anordnung eingearbeitet. Im indischen Raum kamen außerdem farbiger Marmor und Steinlegearbeiten zur Anwendung. Die Ornamente bestanden aus geometrischen, floralen oder kalligraphischen Elementen. Häufig ziehen sie sich in einer endlosen Abfolge über das gesamte Bauwerk.


Eine Auswahl an berühmten Beispielen der islamischen Baukunst


Ein wichtiges Bauwerk der islamischen Baukunst ist der Felsendom in Jerusalem. Um 691 nach dem Vorbild der konstantinschen Grabeskirche errichtet, sollte er zum Denkmal für den neuen Glauben werden. Nicht weniger bedeutsam ist die Al-Aksa-Moschee. Sie wurde in Form einer Basilika an der Südmauer des Tempelbergs in Jerusalem gebaut. Die Legende besagt, dass Mohammed auf seinem Pferd von hier aus seine Reise in den Himmel angetreten haben soll.

In Spanien findet sich mit der Großen Moschee von Cordoba ein prominentes Beispiel für die islamische Baukunst. Die Moschee umfasst 19 Schiffe und hat 665 Säulen. Besonders schön sind die Hufeisenbögen aus rotem und hellgelbem Sandstein. In Sevilla wiederum steht die Giralda. Als die maurische Moschee gebaut wurde, war das 97,5 Meter hohe Minarett das höchste Bauwerk der Welt. Heute dient das Minarett als Turm der Kathedrale und ist zugleich das Wahrzeichen der Stadt. Oberhalb von Granada befindet sich mit der Alhambra ein maurischer Königspalast. Innerhalb der Burg, die eine kleine, in sich geschlossene Stadt war, gibt es den Nasridenpalast, eine Zitadelle, der Palast von Karl V. und eine wunderschöne Gartenanlage. Ende des 15. Jahrhunderts wurden die Mauren aus der Alhambra vertrieben. Damit endete auch die islamische Herrschaft in Spanien.

Die Große Moschee von Isfahan ist die älteste Moschee, die Iwane an den vier Hofseiten hat. Die Verkleidung mit blauen Kacheln macht die Moschee außerdem zu einem optischen Highlight. Die Große Moschee von Samarra wiederum macht ihrem Namen alle Ehre. Denn obwohl sie bereits um 850 gebaut wurde, gehört sie bis heute zu den größten Moscheen weltweit. Eine Besonderheit ist außerdem das 50 Meter hohe Minarett, das sich in Form einer Spirale in den Himmel schraubt. Die Moschee von Samarra wurde zum architektonischen Vorbild für die Ibn-Tulun-Moschee in Kairo. Ihr Minarett hat einen würfelförmigen Unterbau und ein zylinderförmiges Geschoss mit kleiner Kuppel. Diese Bauart prägte die Baukunst in Nordafrika.

Im indischen Agra steht das Mausoleum des I`timad al-Daula. Es ist das erste Gebäude, das aus kunstvoll verarbeitetem weißen Marmor besteht. Die klassische Würfelform des Mausoleums wurde außerdem um indische Elemente ergänzt. Allen voran sind das die Türme namens Chattri an jeder Ecke. Der Rote Palast wiederum besticht durch zierliche Arkaden und eine Kuppel in Form einer Tulpe. Wenn es um islamische Baukunst geht, darf natürlich auch das Taj Mahal nicht fehlen. Das vielleicht berühmteste Bauwerk islamischer Baukunst ließ Großmogul Schah Jahan für seine verstorbene Frau bauen.

 

Und Istanbul?

Auch in Istanbul finden sich natürlich berühmte Beispiele für die islamische Baukunst. Die Süleymaniye-Moschee etwa gilt als eines der Hauptwerke der osmanischen Baukunst. Und bis heute halten viele diese Moschee für den schönsten Sakralbau der Stadt.

Daneben gehört die Sultan-Ahmet-Moschee zu den herausragenden Bauwerken der islamischen Architektur. Ihre sechs Mineratte, die 260 Fenster und die 43 Meter hohe Kuppel machen die Moschee zu einem außergewöhnlichen Gebäude. Hinzu kommt die wunderschöne Verzierung mit weit über 20.000 blauen Fliesen. Sie brachten der Moschee den Beinamen Blaue Moschee ein.

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Veröffentlicht von

Redakteure

Emine Gülcan, 46 Jahre, Immobilienmaklerin in Istanbul und Marmaris, Malek Sahouri, 35 Jahre, Reiseblogger, Mehmet Keskin, 42 Jahre, Rechtsberater schreiben hier Wissenswertes zu den Immobilienerwerb in Istanbul bzw. in der Türkei, geben viele Tipps und Reiseinformationen für die Region.

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