Ein Streifzug durch die islamische Kunst, 3. Teil

Ein Streifzug durch die islamische Kunst, 3. Teil

Wer durch Istanbul schlendert, wird natürlich auch auf islamische Kunst treffen. Nur: Was macht diese Kunstrichtung eigentlich aus? Was sind ihre Besonderheiten? Und welche Arbeiten sind Zeugen dieses Kunststils?

islamische Kunst

In einem mehrteiligen Ratgeber unternehmen wir einen kleinen Streifzug durch die islamische Kunst. Dabei ging es im 1. Teil um Basiswissen, das notwendig ist, um die Kunstrichtung überhaupt einordnen zu können. Im 2. Teil haben wir uns dann die islamische Architektur näher angeschaut.

Und jetzt nehmen wir uns das islamische Kunsthandwerk vor:

 

Die islamische Buchmalerei

Der Islam begegnet dem geschriebenen Wort seit jeder mit größtem Respekt. Deshalb wurden auch Bücher schon sehr früh als wertvolles Kulturgut gesehen. Im Jahr 1000 verfügte allein die Bibliothek im spanischen Cordoba beispielsweise über rund 140.000 Bücher. Im Vergleich dazu umfasste der Bestand im Vatikan in der gleichen Zeit gerade einmal 1.000 Bücher.

Der Buchdruck verbreitete sich in der islamischen Welt zwar erst ab dem 10. Jahrhundert. Allerdings wurden ohnehin Bücher bevorzugt, die kunstvoll von Hand geschrieben und mit aufwändigen Kalligraphien und dekorativen Illustrationen verziert waren.


Das Bilderverbot führte dazu, dass vor allem der Koran nicht mit bildhaften Motiven, sondern ausschließlich mit kunstvollen Schriftzügen und geometrischen Ornamenten verziert wurde. Auf der anderen Seite konnten sich die Maler über gut gefüllte Auftragsbücher freuen. Regenten und reiche Bürger beauftragten sie nämlich damit, historische Handschriften und erzählende Geschichten mit Miniaturen zu illustrieren.

In der Folge bildeten sich Elemente heraus, die zu typischen Merkmalen der islamischen Miniaturmalerei wurden. Dazu gehört, dass die jeweilige Buchseite in rechteckige Felder eingeteilt wurde. Dadurch entstand eine übersichtlich gegliederte Komposition. Die Bilder selbst wurden in einen Rahmen gesetzt, der aus geometrischen Mustern oder detailliert ausgearbeiteter Kalligraphie bestand. Die verschiedenen Handlungen innerhalb der Bilder wurden meist so abgebildet, dass der Betrachter sie aus der Vogelperspektive sah. Neben den feinen Details kennzeichnet sich die islamische Miniaturmalerei außerdem durch ihre überaus kräftigen und brillant leuchtenden Farben.

 

Skulpturen und Kunstgegenstände in der islamischen Kunst

Für Darstellungen von Tieren gilt das Bilderverbot nicht. Aus diesem Grund finden sich vor allem in der arabischen Kunst recht oft Skulpturen in Form von Löwen, Pferden und Raubvögeln. Phantasievolle Mischwesen wiederum zieren häufig kleinere Gefäße und große Brunnen. Dabei sind es vor allem Metall, Glas, Elfenbein und Holz, die im islamischen Kunsthandwerk eine große Rolle spielen. Gold und Silber hingegen wurden nur selten verarbeitet. Denn der Koran spricht sich gegen diese Edelmetalle aus.

Die Kunsthandwerker griffen bevorzugt auf Treibarbeiten, Gravierungen und Intarsien zurück. Bei diesen Techniken arbeiteten sie feine Rillen und Muster in den Grundwerkstoff, die sie anschließend zum Teil mit filigranen Gold-, Silber- und Kupferdrähten oder kleinsten Plättchen aus anderen Materialien ausfüllten. Auf diese Weise entstanden wunderschöne Ornamente. Das Kunsthandwerk hat innerhalb der islamischen Kunst einen sehr hohen Stellenwert. Dabei lassen sich die Kunstgegenstände in drei Gruppen einteilen:

  1. Einen Bereich bilden religiöse Kunstgegenstände, zu denen beispielsweise kunstvolle Moscheelampen gehören.
  2. Als zweite Gruppe gibt es die profanen Kunstgegenstände. Hier finden sich zum Beispiel Spiegel, Trugen, kleine Kästchen, Vasen und Schalen oder auch Schreibgeräte.
  3. Der dritte Bereich sind militärische Gegenstände wie Säbel, Schilde oder ganze Rüstungen.

Kunstvolle Keramiken

Aus künstlerischer Sicht schlägt die islamische Keramik eine Brücke zwischen der Antike und dem Mittelalter in Europa. Die enorm hohe künstlerische Leistung lässt ihr gleichzeitig eine herausragende Bedeutung zukommen. Die islamischen Töpfer übernahmen zum einen die Glasurtechniken von den alten Ägyptern.

Zum anderen orientierten sie sich daran, wie die Mesopotamier ihre Majolika gestalteten. Majoliken kennzeichnen sich durch die weiße Keramik mit Unterglasur. Auf diesen Grundlagen entwickelten die Töpfer dann eigene Techniken und Gestaltungen, die sich vor allem im Dekor zeigten. Die islamischen Kunsthandwerker arbeiteten dabei mit Ritztechniken und Aufträgen in dicken Farbschichten.

Im 8. Jahrhundert kam dann noch eine Lüstertechnik dazu. Ihr besonderes Merkmal war die metallisch glänzende Glasur in Rot und Grün.

Die wichtigsten Produktionsstätten der frühen islamischen Keramik waren das ägyptische Fustat, das iranische Samara sowie Susa und Rayy in Persien. Ab dem 12. Jahrhundert kamen Kairo, Damaskus, Keshan, Isfahan, Ardabil und Raqqa sowie Iznik und Anatolien dazu. In Persien nutzten die Kunsthandwerker schon ab dem 8. Jahrhundert die blau-weißen Keramiken der chinesischen Tang-Dynastie als Inspirationsquelle. Neben der Farbgebung waren die Töpfer dabei vor allem von den typischen Blumenmotiven, Ornamenten und Friesen angetan. Und bis ins 17. Jahrhundert hinein blieb die chinesische Keramik ein prägendes Vorbild in Persien.

In Ägypten, Persien und im türkischen Iznik entstanden hauptsächlich dekorative Ziegel. Ihr typisches Markenzeichen ist eine Mischung aus geometrischen Grundfiguren mit bildhaften Darstellungen und kunstvollen Schriftzügen. Zusammen mit farbigen Wandkacheln, die in leuchtenden Lüster- und Emaillefarben gefertigt wurden, entwickelten sie sich zum einem charakteristischen Dekorationselement in der islamischen Gestaltung. Und bis heute können sie in Moscheen, Grabbauten und Palästen bewundert werden.

 

Die Teppichkunst

Mit dem Nomaden kam die Kunst, Teppiche zu knüpfen, in die islamische Welt. Die ältesten Teppiche, die bis heute erhalten sind, entstanden in Anatolien vermutlich im 13. Jahrhundert. Anders als eine genaue Datierung, die mitunter schwierig ist, lässt sich der Entstehungsort eines islamischen Teppichs sehr genau festlegen. Denn jede Region hat typische Muster.

Zwischen 1500 und 1722, in der Zeit der Safawiden, erlebte die islamische Teppichknüpfkunst ihre Hochzeit. Seinerzeit gelangten die kunstvollen Teppiche bis nach Indien. Bei den Nomaden waren die Teppiche in ihren Zelten ein Ersatz für blühende Wiesen in den kargen Wüstenlandschaften.

Die Teppichmanufakturen, die im Dienste der Höfe standen und die besten Künstler beschäftigten, griffen diese Idee auf. So zeigten die Teppiche Abbildungen der königlichen Parkanlagen oder Tiere aus den Wildgehegen. Gleichzeitig waren die Teppiche nicht unbedingt Alltagsgegenstände, sondern vor allem repräsentativer Schmuck.

Ein typisches Merkmal vom islamischen Teppich ist ein Mittelfeld mit geometrischen oder ornamentalen Mustern, das von einem Rahmen umspannt wird. Bei persischen Teppichen kommt eine Art Medaillon als Mittelpunkt dazu. Tiere und Pflanzen sind oft in das Gesamtbild eingebettet. Eingeteilt werden die islamischen Teppiche in drei Hauptgruppen, nämlich

  • den Knüpfteppich,
  • den Wirkteppich namens Kelim und
  • den Sumak, ein im Kettenstich geknüpfter Teppich.

Hergestellt sind die Teppiche aus Wolle, Baumwolle oder Seide. Die persischen Teppiche werden mit kleinen, dicht geknüpften Knoten gefertigt, bei den türkischen Teppichen kommt ein etwas größerer Knoten zum Einsatz.
Neben dem Material und der Machart geben auch die Muster, die Motive und die Farben Auskunft darüber, woher ein Teppich kommt. Denn jede Region, teils sogar jeder Ort und jeder Stamm hat seine eigene Gestaltungsweise. In diesem Zusammenhang werden fünf Gruppen voneinander unterschieden:

  • Der anatolische Teppich zeigt meist eine Gebetsnische als Motiv und wird in erster Linie als Gebetsteppich verwendet.
  • Der kaukasische Teppich ist im Längsformat geknüpft und mit geometrischen Mustern verziert.
  • Der persische Teppich kennzeichnet sich neben dem Medaillon in der Mitte durch seine detailreichen Motive mit Ornamenten, Ranken, Blumen und Pflanzen oder Schriftzügen.
  • Der indische Teppich ähnelt dem persischen Teppich und besticht durch seine originalgetreue Wiedergabe der Bildmotive.
  • Der zentralasiatische Teppich schließlich hat einen roten Hintergrund, den eine stilisierte Rose oder geometrische Muster zieren.

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Veröffentlicht von

Redakteure

Emine Gülcan, 46 Jahre, Immobilienmaklerin in Istanbul und Marmaris, Malek Sahouri, 35 Jahre, Reiseblogger, Mehmet Keskin, 42 Jahre, Rechtsberater schreiben hier Wissenswertes zu den Immobilienerwerb in Istanbul bzw. in der Türkei, geben viele Tipps und Reiseinformationen für die Region.

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