Istanbul und der Bosporus – von Sehenswürdigkeiten und Legenden

Istanbul und der Bosporus – von Sehenswürdigkeiten und Legenden

 

Der Bosporus ist nicht einfach nur irgendeine Meerenge, vergleichbar mit einem Fluss, der sich durch eine x-beliebige Stadt schlängelt. Der Bosporus ist vielmehr die Verbindung zwischen Europa und Asien, zwischen dem Schwarzen Meer und dem Marmarameer.

Nicht zuletzt ist der Bosporus aber auch eine Art Wahrzeichen, der die Geographie Istanbuls entscheidend prägt und dazu beiträgt, dass die türkische Mega-City so einzigartig ist. Kein Wunder also, dass der Boğaz, wie die Istanbuler den Bosporus nennen, eine besondere Rolle spielt.

 

Istanbul und der Bosporus – von Sehenswürdigkeiten und Legenden

Das türkische Wort Boğaz heißt übersetzt Schlund, früher wurde der Bosporus auch Straße von Konstantinopel genannt. Er ist gut 30 Kilometer lang, zwischen 700 und 2.500 Meter breit und zwischen 36 und 124 Meter tief. Amerikanische Wissenschaftler haben die Theorie aufgestellt, dass der Bosporus vor rund 7.500 Jahren entstanden ist.

Seinerzeit soll sich das Mittelmeer mit einer sintflutartigen Gewalt einen Weg in Richtung Schwarzes Meer gebahnt haben. Jedenfalls bewegt sich das kalte, salzarme Wasser an der Oberfläche von Nord nach Süd, der wärmere und salzhaltigere Unterstrom fließt vom Marmarameer zum Schwarzen Meer. Um den Bosporus zu überqueren, stehen diverse Fähren und zwei riesige Brücken zur Verfügung. Eine dritte Brücke im Norden ist geplant.

Diese nackten Daten und Fakten sind aber nur die eine Seite. Zur anderen Seite gehört, die Meerenge einmal zu erleben und kennenzulernen. Deshalb ist eine Fahrt auf dem Bosporus eigentlich ein Pflichtpunkt bei einem Besuch in Istanbul. Vorbei an Sehenswürdigkeiten und wechselnden Landschaften ergibt sich ein Blick auf die Stadt, wie er eben nur von der Meerenge aus möglich ist. Angereichert durch allerlei Sagen und Legenden wird die Fahrt zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Ganz komfortabel lässt sich dieses Erlebnis in Eminönü beginnen. Direkt neben der Galata-Brücke im historischen Teil Istanbuls auf der europäischen Seite legen die Fähren ab, die im Sommer teilweise bis Anadolu Kavağı und damit fast bis ans Schwarze Meer fahren. Sehr beliebt, auch bei den Istanbulern selbst, sind außerdem Mondscheinfahrten.

Eine solche Tour kann bis zu fünf Stunden lang dauern. Wer seine ganz eigene Tour machen oder ein bestimmtes Ziel ansteuern möchte, kann sich ein Wassertaxi, ein deniztaksi, chartern. Allerdings ist das nicht ganz billig. Ein Fußmarsch entlang der Meeresenge hingegen ist nur bedingt möglich. An vielen Stellen gibt es nämlich keinen direkten Zugang zum Wasser, an anderen Stellen verlaufen vielbefahrene Straßen neben dem Bosporus.

 

Die Yalıs und ihre Geschichten

Zu den typischen Bauwerken an den Ufern des Bosporus gehören die Yalıs. Diese herrschaftlichen Sommervillen aus osmanischen Zeiten sind traditionell aus Holz errichtet, haben zwei bis drei Stockwerke und kennzeichnen sich durch einen luftig-leichten Baustil. Wohlhabende Immobilienkäufer sind bereit, sehr viel Geld für die prächtigen Villen in bester Lage mit romantischem Blick auf den Bosporus zu bezahlen.

Da die meisten Yalıs in Privatbesitz sind, können sie nur von außen bewundert werden. Dafür gibt es zu einigen der Holzhäuser Legenden und Geschichten, die gerne erzählt werden. So gibt es beispielsweise das weinrote Yalı von Çenkelköy, das erst einem Eunuchen und danach einem Mann namens Sadullah Paşa gehörte.

Er stand unter Verdacht, einen Putsch gegen den Sultan zu planen. Also wurde er als Botschafter nach Berlin geschickt, später nahm er sich in Wien das Leben. Seine Frau soll jedoch bis zuletzt auf seine Rückkehr gehofft und deshalb das Haus stets in bester Ordnung gehalten haben. Viele Istanbuler glauben deshalb, dass ihr Geist noch immer in dem Haus wohnt. Ebenfalls auf der asiatischen Seite, ein Stück weiter im Norden und unweit der zweiten Brücke, befindet sich das prächtige Zarif Mustafa Paşa Yalı. Diese Villa, die auf den Ruinen eines byzantinischen Klosters errichtet worden sein soll, verfügt neben einem Früchteraum und einem Meerwasserhamam über ein Zimmer, das extra so gebaut ist, dass der Vollmond beobachtet werden kann. Die Quelle im Garten des Hauses gilt als heilig. Schon zweimal rammten Schiffe dieses Yalı.

Einer der beiden Vorfälle ereignete sich 1991. Damals stießen ein libanesischer Frachter und einer Schiff unter philippinischer Flagge zusammen, dabei ertranken 21.000 Schafe.

 

Von Arnavutköy bis zum Telli Baba Türbesi

Arnavutköy liegt im europäischen Teil der Stadt, nördlich vom Stadtzentrum. Dieser Ort dürfte zu den schönsten Ortschaften entlang des Bosporus gehören. Am Ufer laden unzählige Restaurants dazu ein, die Köstlichkeiten der türkischen Küche zu probieren. Oberhalb Arnavutköys erhebt sich die Bosporus-Universität, die zu den renommiertesten Hochschulen der Türkei gehört.

Von hier aus ergibt sich ein phantastischer Ausblick auf den Bosporus, die Istanbuler verwenden dafür die wohlklingende Vokabel manzara. Noch weiter im Norden liegt Bebek, das zu den mondänsten Vororten Istanbuls zählt und mit seiner langen Uferpromenade an das Flair der Côte d’Azur erinnert.

Einen kurzen Fußmarsch entfernt befindet sich die Rumeli Hisari. Die Burg, die 1452 als Festung errichtet wurde und später als Gefängnis diente, bietet ebenfalls postkartenwürdige Aussichten auf den Bosporus. In der Nähe gibt es außerdem das Sakıp Sabancı Museum, das die Kunstwelt immer wieder mit spannenden Exponaten überrascht, und die Sommerresidenz des deutschen Botschafters namens Tarabya.

Hier leben und arbeiten ein paar Künstler aus Deutschland, die Stipendien erhalten haben. Weiter die Küstenstraße entlang in Richtung Schwarzes Meer folgt mit dem Telli Baba Türbesi eine etwas merkwürdige Stätte. Konkret handelt es sich um den Schrein des Imam Abdullah Efendi, um dessen Identität sich viele Rätsel und Mythen ranken. Das Grabmal ist eine beliebte Pilgerstätte für diejenigen, die um eine gute Hochzeit bitten möchten oder sich ein Kind wünschen. Dies ist deshalb erstaunlich, weil der Islam eine Verehrung von Heiligen in einer solchen Form eigentlich verbietet.

 

Schwimmen und Gespenster im Bosporus

Die Zeiten, in denen der Bosporus an vielen Stellen zum gemütlichen Planschen und Schwimmen einlud, sind lange vorbei. Dies liegt aber nicht nur daran, dass sich die Stadt verändert hat, kontinuierlich gewachsen ist und zahlreiche Gebäude und Straßen entstanden sind. Auch die Turbulenzen und Stromschnellen tragen ihren Beitrag dazu bei, dass der Bosporus für Schwimmer nicht unbedingt geeignet ist. Allerdings gibt es da noch die kleine Insel Suada.

Sie beherbergt einen Komplex aus Schwimmbad und Club und ist neben denjenigen, die einmal tatsächlich im Bosporus schwimmen möchten, auch beim Istanbuler Jetset sehr beliebt. Abends gönnt sich die Szene dann den einen oder anderen Cocktail im nebenan gelegenen Club in Ortaköy.

Im südlichen Teil ist der Bosporus beidseitig von Istanbul samt Vororten und umliegenden Ortschaften gesäumt. Im nördlichen Teil hingegen ergibt sich ein völlig anderes Bild: Hier rahmen Landschaften die Meerenge ein, in der eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt beheimatet ist. Einige Abschnitte wirken sogar fast ein wenig verlassen. Diese mystische Atmosphäre hat schon so manchen zu schaurigen Gedankenspielen inspiriert.

In Orhan Pamuks Roman „Das Schwarze Buch“ etwa wird ein Szenario beschrieben, in dem sich der ausgetrocknete Bosporus in einen „pechschwarzen Morast“ mit aufleuchtenden Gespenstern verwandelt. Dazu wird es wohl nicht kommen. Aber dass der Bosporus seine Funktion als Verbindung zwischen zwei Kontinenten verlieren könnte, ist nicht ganz so abwegig.

Immerhin gibt es Pläne, dass ein Kanal zur Entlastung gebaut werden soll. Würde dieses Mammutprojekt tatsächlich realisiert werden und wie angedacht zum 100. Geburtstag der Türkei im Jahre 2023 fertig gestellt sein, läge der europäische Teil Istanbuls komplett auf einer Insel. Der neue Kanal würde damit die bisherige Funktion des Bosporus als Verbindung übernehmen.

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Redakteure

Emine Gülcan, 46 Jahre, Immobilienmaklerin in Istanbul und Marmaris, Malek Sahouri, 35 Jahre, Reiseblogger, Mehmet Keskin, 42 Jahre, Rechtsberater schreiben hier Wissenswertes zu den Immobilienerwerb in Istanbul bzw. in der Türkei, geben viele Tipps und Reiseinformationen für die Region.

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