Istanbuls unbekannte Sehenswürdigkeiten im asiatischen Teil

Istanbuls unbekannte Sehenswürdigkeiten im asiatischen Teil

 

Der Topkapi-Palast, die Eyup-Moschee, die Hagia Sophia, der Galata-Turm, die Burg Rumeli Hisari oder der Dolmabahce-Palast sind nur ein paar Beispiele für Sehenswürdigkeiten in Istanbul.

Sie alle haben eines gemeinsam:

Sie befinden sich im europäischen Teil der Mega-City. Kein Wunder also, dass die meisten Touristen auf der europäischen Seite auf Erkundungstour gehen. Dabei kann es sich wahrlich lohnen, die typischen Touristenpfade einmal zu verlassen, denn auf der anderen Seite des Bosporus gibt es mindestens genauso viel Spannendes zu entdecken.

Ein paar von Istanbuls unbekannten Sehenswürdigkeiten
im asiatischen Teil stellt der folgende Rundgang vor:

 

Die Burgruine Yoros und die Grabstätte des Propheten Josua 

Wer sich auf dem Bosporus auf den Weg in Richtung Asien macht, wird sich zunächst nicht wundern, weshalb der europäische Teil Istanbuls für Touristen deutlich interessanter zu sein scheint. Während sich hier nämlich die berühmten Wahrzeichen der Stadt erheben, sind gegenüber lediglich grüne, dünn besiedelte Hügel zu sehen.

Das erste Highlight lässt aber nicht allzu lange auf sich warten. Kurz nachdem das asiatische Stadtzentrum passiert ist, tauchen nämlich schon die beiden Türme der Burgruine Yoros auf. Einst als Zeus-Tempel von den Griechen gebaut, errichteten die Byzantiner hier im 13. Jahrhundert eine Verteidigungsanlage. 1305 wurde die Burg dann von den Osmanen eingenommen, 45 Jahre später von den Genuesern erobert und von Sultan Bayezid I. Ende des 14. Jahrhunderts schließlich wieder zurückerobert. 1783 folgte ein weiterer Ausbau.

Im 19. Jahrhundert wurde die Verteidigungsanlage dann endgültig verlassen. Heute ist Yoros ein Magnet für Archäologen, es finden regelmäßig Ausgrabungen statt.

Aber auch für Touristen lohnt sich ein Besuch. Selbst wer sich nicht unbedingt für Geschichte interessiert, kann von hier aus nämlich beobachten, wie die Schiffe friedlich über den Bosporus schippern und wie in weiterer Ferne der Bosporus aufs Schwarze Meer trifft.

Der Hügel, auf dem die Burgruine steht, ist über 200 Meter hoch und gehört damit zu den höchsten Erhebungen der Stadt. Gläubige Muslime nennen den Hügel Josua-Hügel, denn es wird vermutet, dass sich hier die Grabstätte des Propheten Josua befindet. Deshalb gibt es hier auch eine Moschee und einen Gedenkplatz.

Dieser wurde 1755 von einem Wesir errichtet und 1863 wiederaufgebaut, nachdem er einem Brand zum Opfer gefallen war. Neben dem Gedenkplatz befindet sich ein Friedhof mit einem 17 Meter langen Grab. Gläubige erklären die imposante Größe des Grabes damit, dass die exakte Stelle, an der Josua begraben liegt, nicht bekannt ist. Archäologen hingegen nennen als Grund, dass hier mehrere Menschen hintereinander liegend beerdigt wurden.

Unabhängig davon und ungeachtet der Tatsache, dass es keinerlei Belege dafür gibt, dass der Prophet hier beerdigt liegt, ist das Grab eine beliebte Pilgerstätte.   

 

Der Sommerpalast Kücüksü und das polnische Dorf

Deutlich prunkvoller geht es im Jagdschloss von Sultan Abdulmecit zu. Der Sommerpalast verfügt über acht Zimmer und zwei Säle, die mit Goldblattdecken, italienischem Marmor und luxuriösen Kristallleuchtern ausgestattet sind. Seit Gründung der türkischen Republik Anfang der 1920er-Jahre wurde der Sommerpalast Kücüksü als Gästehaus für Staatsmänner genutzt, berühmte Übernachtungsgäste sollen beispielsweise Kemal Atatürk und Schah Reza Pahlevi gewesen sein.

Nicht weit vom Sommerpalast entfernt, befinden sich die Überreste der Anadolu Hisari, einer asiatischen Festung, die 1385 als Sperre an der engsten Stelle des Bosporus erbaut wurde. Vom Stadtteil Beykoz aus geht es in Richtung Südosten vorbei an Pinienwäldern, von Platanen gesäumten Alleen, Bohnenfeldern und Tomatenplantagen, bis nach rund 20 Kilometern mit einer riesigen Atatürk-Statue das nächste Highlight wartet.

Erstaunlicherweise steht diese Statue in Polonezköy, einem polnischen Dorf mit alten Holzhäusern und rustikal-charmanten Gaststätten, in dem sich polnische Auswanderer im 18. Jahrhundert angesiedelt haben. Durch die leicht erhöhte Lage herrscht hier ein sehr angenehmes Klima, das etwas kühler ist als in Istanbuls Zentrum und schon prominente Besucher wie Franz Liszt, Pierre Loti oder Gustave Flaubert angelockt haben soll.

 

Die Palastanlage im Stadtteil Beylerbeyi

Wer nicht so weit hinausfahren möchte, sollte sich auf den Weg ins Viertel Beylerbeyi machen. Direkt unterhalb der ersten Bosporus-Brücke befindet sich hier eine Palastanlage, die Sultan Abdülaziz in den 1860er-Jahren als Sommerresidenz erbauen ließ. Der Palast im osmanischen Neobarock umfasst 24 Räume und sechs Säle.

Die luxuriöse Ausstattung mit edlen türkischen Teppichen, prunkvollen Blattgoldverzierungen, imposanten Kristalllüstern aus Frankreich, kostbaren Uhren aus England, prächtigen Vasen aus chinesischem und japanischem Porzellan oder der Sitzungssaal mit seiner beeindruckenden Sultan-Skulptur und dem Marmorwasserbecken lassen erahnen, welche Glanzzeiten das Osmanische Reich erlebt haben muss.

Weitere Bestandteile der Palastanlage sind ein Kiosk aus Marmor, der ein wundervolles Wasserspiel aus osmanischer Zeit zeigt, und ein Tunnel. Dieser diente bis 1973 als Verbindung zwischen Beylerbeyi und dem Stadtteil Üsküdar.

 

Üsküdar, der Mädchenturm, die Bagdadstraße und Haydarpascha

Der Stadtteil Üsküdar gehört zu den traditionsreichsten Vierteln Istanbuls. Sehenswert ist unter anderem die Mihrimah-Moschee, 1547 für eine Tochter von Süleyman dem Prächtigen erbaut. Architekt war niemand geringerer als Sinan, der auch für die Süleymaniye-Moschee, eines der Wahrzeichen Istanbuls, verantwortlich ist.

Direkt vor der Mihrimah-Moschee befindet sich ein Barockbrunnen, der einst Ausgangspunkt für Pilgerreisen gen Mekka war und bis heute rituellen Waschungen dient. Üsküdar ist aber trotzdem kein streng religiöser Stadtteil, sondern bietet auch jede Menge Freizeit- und Shoppingmöglichkeiten. Ein beliebter Treffpunkt ist beispielsweise der Fähranleger Salacak, wo es sich mit Blick auf den Mädchenturm herrlich über das Leben und das Schicksal philosophieren lässt.

Der Mädchenturm ist nüchtern betrachtet ein Leuchtturm, der auf einer Sandbank am Meer steht und heute ein Restaurant beherbergt.

Zu dem Turm gibt es aber eine schaurig-schöne Geschichte:

Ein Vater soll einst seine Tochter auf die Insel geschickt haben, denn dem Mädchen war ein Schlangenbiss vorhergesagt worden. Auf diese Weise wollte der Vater seine Tochter schützen. Da das Mädchen traurig und einsam war, soll ihr der Vater zum Trost einen Korb voller Obst geschickt haben. Ausgerechnet in diesem Korb soll die tödliche Schlange gewesen sein.

Ein Eldorado für Shoppingfans ist aber auch die Bagdadstraße in Maltepe, auf der sich auf einer Länge von rund zehn Kilometern unzählige Geschäfte und Cafés aneinanderreihen. Einen krönenden Abschluss findet ein Besuch des asiatischen Teils von Istanbul durch den Bahnhof Haydarpascha.

Seit 2012 fahren von hier aus zwar keine Fernzüge mehr und durch das Marmaray-Projekt verliert der Bahnhof gänzlich seine Funktion. Allein ein Blick auf die beeindruckende Sandsteinfassade des Bauwerks, das zwei deutsche Architekten entworfen haben, ist aber einen Besuch wert.

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Redakteure

Emine Gülcan, 46 Jahre, Immobilienmaklerin in Istanbul und Marmaris, Malek Sahouri, 35 Jahre, Reiseblogger, Mehmet Keskin, 42 Jahre, Rechtsberater schreiben hier Wissenswertes zu den Immobilienerwerb in Istanbul bzw. in der Türkei, geben viele Tipps und Reiseinformationen für die Region.

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