Leben und Arbeiten in Istanbul

Leben und Arbeiten in Istanbul

 

Die meisten, die Istanbul kennengelernt haben, kommen aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. So beschreiben sie die Metropole am Bosporus als beeindruckende und faszinierende Stadt, als eine perfekte Mischung aus Tradition und Moderne und als eine Metropole, die trotz ihrer enormen Größe ein Gefühl von Wärme, Willkommensein und Sich-heimisch-Fühlen vermittelt.

Diejenigen, die in Istanbul wohnen, verbindet oft eine Art Hassliebe mit der Stadt. So sind sie einerseits genervt von dem Lärm, den unzähligen Baustellen und dem Dauerstau auf den Straßen. Andererseits dauert es nur wenige Tage, bis sie ihre Stadt vermissen, wenn sie sich tatsächlich einmal außerhalb aufhalten.

Ähnlich wie hierzulande die Beschwerden über das Wetter den Einstieg für so manchen Smalltalk bilden, gehört für den Istanbuler das Klagen über den Verkehr fast schon zum guten Ton, übrigens gerne mit dem türkischen Seufzer “öff“ als Abschluss.

 

Weitere wissenswerte Infos zum Leben und Arbeiten in Istanbul
fasst die folgende Übersicht zusammen:

 

Das Wohnen in Istanbul

Die meisten Deutschen, die sich für ein Leben in Istanbul entschieden haben, suchen sich eine Unterkunft im europäischen Teil der Stadt. Hier finden sich die ausländischen Schulen und die Zentralen vieler internationaler Unternehmen. Dabei stehen vor allem drei Gegenden hoch im Kurs.

Dies sind zum einen die Stadtteile, die sich um den zentralen Taksim-Platz verteilen. Hierzu gehört beispielsweise Beyoglu, das das kulturelle Zentrum der Stadt bildet und die Deutsche Schule beherbergt. Zum anderen sind die Wohngegenden entlang des Bosporus von Besiktas über Bebek und Emirgan bis nach Yesilköy sehr beliebt. Hinzu kommt die Gegend rund um den Flughafen, in der es mediterran-lässig zugeht.

In den vergangenen Jahren erfreuen sich aber auch die neuen Wohnsiedlungen, die nach US-amerikanischem Vorbild als geschlossene Einheiten meist im Norden der Stadt entstanden sind, steigender Beliebtheit.

Die meisten wenden sich bei ihrer Wohnungssuche an einen Makler. Schließlich ist die Stadt riesengroß und wer sich auch noch um die Jobsuche und die behördlichen Angelegenheiten kümmern muss, ist froh über die professionelle Hilfe. Aber natürlich kann sich der Neuankömmling auch selbst auf die Suche machen. So kann er in dem Stadtteil, in dem er wohnen möchte, nach Schildern mit der Aufschrift „kiralik“ (zu vermieten) Ausschau halten, bei einer Tasse Kaffee oder Tee im Kaffeehaus nachfragen oder sich an die Händler in der Straße wenden. Auf diese Weise kommt er auch gleich in Kontakt mit den Einheimischen.

 

Aufenthaltsgenehmigung, Arbeitserlaubnis und Ausländeridentitätsnummer

Ausländer, die in Istanbul leben und arbeiten möchten, brauchen eine Aufenthalts- und eine Arbeitserlaubnis. Die Aufenthaltsgenehmigung kann zunächst für bis zu zwei Jahre erteilt und anschließend für jeweils fünf weitere Jahre verlängert werden.

Besitzt der Ausländer eine Immobilie in der Türkei, kann er auch schon beim Erstantrag einen Aufenthaltstitel für fünf Jahre bekommen. Eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung ist vom türkischen Gesetz nicht vorgesehen. Das Prozedere bei der Verlängerung gestaltet sich jedoch unkompliziert und eine Ablehnung des Antrags ist nur in wenigen Ausnahmefällen zulässig.

Ähnlich wie es nur eine langfristige, aber keine zeitlich unbefristete Aufenthaltsgenehmigung gibt, hat ein Ausländer auch keinen uneingeschränkten Anspruch auf eine zeitlich unbefristete Arbeitserlaubnis.

 

Stattdessen legt das Arbeits- und
Sozialministerium folgende Regelungen bei der Vergabe zugrunde:

 

·         Hat der ausländische Arbeitnehmer ein Jahr lang für einen Arbeitgeber gearbeitet, erwirbt er den Anspruch auf eine Arbeitserlaubnis, die ihm die Fortsetzung seines Arbeitsverhältnisses bei diesem Arbeitgeber ermöglicht.

 

·         Besteht das Arbeitsverhältnis seit vier Jahren, hat der ausländische Arbeitnehmer den Anspruch auf eine Arbeitserlaubnis, durch die er auch für einen anderen Arbeitgeber tätig werden kann.

 

·         Hat der ausländische Arbeitnehmer fünf Jahre lang in der Türkei gearbeitet, kann er eine Arbeitserlaubnis bekommen, die sowohl zeitlich unbefristet als auch vom Arbeitgeber unabhängig ist.

 

Zahlreiche Gesetzesänderungen in jüngerer Vergangenheit haben es für ausländische Arbeitnehmer und Unternehmen aber deutlich einfacher gemacht, Arbeitsgenehmigungen zu bekommen. Zudem wurden geltende Erwerbsbeschränkungen abgeschafft oder zumindest gelockert und haben so den Istanbuler Arbeitsmarkt für Ausländer geöffnet.

Hat ein Ausländer eine Aufenthaltsgenehmigung für mehr als sechs Monate erhalten, wird er im Ausländerregister erfasst. Durch den Eintrag wird ihm außerdem seine Ausländeridentitätsnummer (Yabancı Kimlik Numarası) zugeteilt. Mit dieser Nummer kann er behördliche Angelegenheiten erledigen und private Dienstleistungen in Anspruch nehmen.

 

Jobsuche und Bewerbung in Istanbul

Ähnlich wie in Deutschland läuft mittlerweile auch die Jobsuche in Istanbul weitgehend über Online-Stellenbörsen. Daneben finden sich Stellenanzeigen in den großen Tageszeitungen. Wer von Deutschland aus nach einer Arbeitsstelle suchen möchte, wird über Jobbörsen online, die Internetauftritte der Unternehmen oder auch die Zentrale Internationale Arbeitsvermittlung, kurz ZAV, der Agentur für Arbeit fündig.

Die Bewerbung lässt sich mit der in Deutschland üblichen Bewerbung vergleichen. Auch hier bilden das Anschreiben und der Lebenslauf die beiden zentralen Elemente. In der Türkei ist es jedoch üblich, dass sich der Personalchef über den Bewerber informiert und die Angaben überprüft.

Deshalb sollte der Bewerber immer ein paar Referenzpersonen angeben. Ratsam ist außerdem, sich vorab zu erkundigen, in welcher Sprache die Bewerbung abgegeben werden soll. Unternehmen, die in erster Linie auf dem türkischen Markt agieren, erwarten, dass der Bewerber die türkische Sprache beherrscht.

Dementsprechend möchten sie meist auch die Bewerbung auf Türkisch haben. Internationale Unternehmen wiederum akzeptieren häufig auch Bewerbungen, die auf Englisch oder in der Muttersprache des Unternehmens verfasst sind. Wie das Bewerbungsverfahren abläuft, hängt vom Unternehmen ab und vom kurzen Vorstellungsgespräch bis hin zum mehrtägigen Assessment-Center ist letztlich alles möglich.

 

Arbeitszeiten und Urlaub in Istanbul

In den Unternehmen in Istanbul und der Türkei herrschen meist hierarchische Strukturen. Das bedeutet, die Positionen und Verantwortungsbereiche sind klar festgelegt, lockere, flache Hierarchien und Teamwork sind eher die Ausnahme. Die gesetzliche Wochenarbeitszeit beträgt 45 Stunden. Zusätzlich dazu sind drei Überstunden pro Tag an maximal 90 Tagen pro Jahr erlaubt. Tatsächlich arbeiten die meisten Arbeitnehmer in Istanbul aber werktags von 9 bis 19 Uhr, an Samstagen bis 15 Uhr.

Der Urlaubsanspruch hängt davon ab, wie lange der Arbeitnehmer bereits für seinen Arbeitgeber tätig ist. Als Richtlinie gilt, dass ein Arbeitnehmer bei einer Beschäftigungsdauer zwischen einem und fünf Jahren Anspruch auf 14 Tage bezahlten Urlaub hat, bei einer Beschäftigungsdauer zwischen fünf und 15 Jahren sind es 20 bezahlte Urlaubstage und bei einer Beschäftigungsdauer von mehr als 15 Jahren erhöht sich der Urlaubsanspruch auf 26 Tage.

Zusätzlich zum bezahlten Urlaub gibt es in der Türkei neun nationale Feiertage. Diese sind der 1. Januar, der 23. April, der 1. und der 19. Mai, der 30. August, der 19. September und der 29. Oktober. Das Fest des Fastenbrechens (Ramazan Bayramı) und das Opferfest (Kurban Bayramı) sind bewegliche Feiertage.

Das Einkommen in Istanbul fällt in aller Regel niedriger aus als das Entgelt für einen vergleichbaren Job in Deutschland. Im Gegenzug bieten Arbeitgeber aber häufiger Zusatzleistungen wie beispielsweise Mittagessen, Arbeitskleidung oder einen Fahrservice an. Die Lebenshaltungskosten sind im Durchschnitt ebenfalls niedriger als in Deutschland, allerdings hängen die Kosten stark vom Stadtteil ab.

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Sitten und Gebräuche in der Türkei

Sitten und Gebräuche in der Türkei

 

Die Türkei blickt auf eine sehr lange und bewegte Geschichte zurück. Allein schon durch die geographische Lage haben verschiedenste Kulturen ihre Spuren hinterlassen, angefangen bei Einflüssen aus Asien über den Nahen Osten bis hin zum Mittelmeerraum.

Heute ist die Türkei mit Istanbul als kulturelles Zentrum des Landes von einem Wechselspiel aus traditionellen Sitten, religiösen Bräuchen und modernen Gepflogenheiten nach westlichem Vorbild geprägt. So ist der Islam zwar allgegenwärtig, aber während fünfmal am Tag der Ruf des Muezzin zum Gebet durch die Straßen schallt, klingen gleichzeitig unzählige Handys.

 

Die folgende Übersicht stellt die wichtigsten
Sitten und Gebräuche in der Türkei vor:

 

Die türkische Gastfreundschaft

In der Türkei wird Gastfreundschaft sehr großgeschrieben. Selbst wenn die finanziellen Mittel begrenzt sind, wird der Gastgeber seine Möglichkeiten ausschöpfen, um seinem Gast („konuk“) einen herzlichen Empfang zu bereiten und ihn mit einem Festmahl zu verwöhnen.

Die Begrüßung erfolgt normalerweise per Handschlag, unter Freunden sind auch Küsschen auf die rechte und linke Wange üblich. Ein Mann und eine Frau nicken sich zur Begrüßung freundlich zu. Reicht die Frau dem Mann die Hand, nimmt er diese aber selbstverständlich an.

Eine Wohnung wird nicht mit Schuhen betreten, sondern die Schuhe werden ausgezogen und bleiben vor der Tür. Wer als ausländischer Gast seine Schuhe auszieht, obwohl der Gastgeber nicht dazu aufgefordert hat, zollt Respekt und kann viele Sympathiepunkte sammeln. Jemanden zu besuchen und nicht wenigstens auf eine Tasse Kaffee oder Tee („Çay“) zu bleiben, gilt als unhöflich.

Ebenso ist es in der Türkei nicht üblich, dass ein Gast dem Gastgeber dabei hilft, beispielsweise den Tisch zu decken oder abzuräumen. Bevor gegessen wird, müssen das Gesicht und die Hände gewaschen werden. Das Gastmahl fällt üppig aus und dauert oft mehrere Stunden. Vornehme Zurückhaltung beim Essen ist nicht angesagt, denn dies könnte der Gastgeber als Zeichen dafür verstehen, dass es seinem Gast nicht schmeckt.

Zu einem guten Essen gehört traditionell der türkische Anisschnaps Rakı. Er wird auch Löwenmilch genannt, was daran liegt, dass er sich vermischt mit Wasser milchigweiß verfärbt. Wer bei seinem türkischen Gastgeber übernachtet hat, wird häufig mit einem kleinen Geschenk und der Einladung, bald wiederzukommen, verabschiedet.

Ist die Frau alleine zu Hause, empfängt sie in aller Regel keine Gäste, die sie nicht kennt. In der Türkei haben Freundschaften zwischen Männern oder Frauen grundsätzlich einen höheren Stellenwert als Freundschaften zwischen den Geschlechtern. Bekannte nennen sich meist nur beim Vornamen, wenn sie sich unterhalten.

Auch die Angehörigen einer Familie haben spezielle Namen. Dadurch kann mithilfe der Bezeichnung ausgedrückt werden, ob es sich beispielsweise um den älteren Bruder, die jüngere Schwester oder den Onkel väterlicherseits handelt.

 

Kaffeehäuser und Backgammon

Um bei einer Tasse Kaffee über Neuigkeiten zu plaudern oder eine Runde Backgammon („tavla“) zu spielen, treffen sich türkische Männer üblicherweise in einem Kaffeehaus („kahve“). Kaffeehäuser gibt es überall in der Türkei und selbst ein noch so kleines Dorf hat mindestens ein Kaffeehaus.

Es gibt allerdings einige Themen, über die des Stolzes wegen außerhalb der Familie nicht gesprochen wird. Zu diesen Themen gehören beispielsweise Familienstreitigkeiten, Sorgen in der Ehe oder finanzielle Probleme. Unter flüchtigen Bekannten können aber auch politische Themen heikel sein.

 

Das türkische Hamam

Das Hamam ist ein fester Bestandteil der islamischen Badekultur und sowohl Männer als auch Frauen besuchen das türkische Bad. Meist gibt es getrennte Badehäuser, ansonsten sind die Besuchszeiten entsprechend geregelt. Im Hamam befindet sich an zentraler Stelle ein Sockel aus Stein oder Marmor („göbektaşi“).

Hier ruht sich der Badegast aus, während gleichzeitig die Wärme seinen Körper zum Schwitzen bringt. Der Gast besucht das Hamam unbekleidet, lediglich ein Handtuch („peştemal“) bedeckt seinen Schambereich. Danach folgt eine rituelle Waschung und Massage, für die bei Männern ein „telak“ und bei Frauen eine „natır“ zuständig sind.

 

Das Einkaufen in der Türkei

Die Türkei ist ein riesengroßer Basar und von traditionell handwerklichen Arbeiten über alltägliche Gebrauchsgegenstände bis hin zu modernsten Konsumgütern gibt es praktisch nichts, was es nicht gibt. Dabei gehört das Feilschen unbedingt zur türkischen Kultur dazu. Aber auch wenn gerne und viel gehandelt wird, ist ein höflicher und respektvoller Umgang sehr wichtig.

Als grobe Orientierungshilfe gilt, dass der Käufer versuchen sollte, einen Preis auszuhandeln, der etwa 30 Prozent unter dem ursprünglichen Angebot liegt. Eine sehr große Bedeutung hat übrigens das erste Geschäft eines Tages („siftah“). Oft macht der Händler dabei seinem Kunden einen besonders guten Preis und es nicht unüblich, dass der Händler darum bittet, das Geld auf den Boden zu werfen.

 

Weitere Sitten, Traditionen und Gebräuche in der Türkei

Eines der wichtigsten Ereignisse im Leben eines Mannes ist die traditionelle Beschneidung („Sünnet“). Dieses religiöse Ritual symbolisiert, dass aus dem Kleinkind ein Junge geworden ist. Vor allem in Städten wie Istanbul ist der Einfluss des Islam auf den Alltag und das Geschäftsleben spürbar, allerdings nicht extrem ausgeprägt.

So ruft der Muezzin zwar fünfmal am Tag zum Gebet, aber nur vergleichsweise wenige Gläubige folgen diesem Ruf etwa während der Arbeitszeiten auch tatsächlich. Anders als in strengreligiösen Ländern sind in der Türkei islamische Vorschriften wie beispielsweise das Zinsverbot im Geschäftsleben ebenfalls nicht üblich.

Lediglich während des Ramadan, wenn viele Gläubige fasten, nicht rauchen und keinen Alkohol trinken, wirkt sich die Religion auf den Alltag aus. Aus Respekt und Höflichkeit sollten Ausländer dann auch darauf verzichten, während des Fastenmonats in der Öffentlichkeit zu schlemmen.

Weit verbreitet in der Türkei sind abergläubische Sitten und Gebräuche. So besitzt praktisch jeder das sogenannte dritte Auge (nazar boncuğu), das ihn beschützen und Böses fernhalten soll. Aber auch Regeln, etwa dass das nächtliche Geheul von Hunden einen Todesfall ankündigt, beeinflussen das Geschehen. In ihrer Freizeit widmen sich Türken neben dem Spielen von Backgammon gerne dem Nationalsport „Yağlı Güreş“. Hierbei handelt es sich um einen Ringkampf, bei dem die Kämpfer mit Olivenöl eingerieben sind, um es ihren Gegnern schwerer zu machen.

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Istanbul Video Impressionen

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Infos und Tipps zu Benimmregeln in Istanbul

Infos und Tipps zu „Benimmregeln“ in Istanbul

 

Allein schon aufgrund der geographischen Lage und der langen, außergewöhnlichen Geschichte ist Istanbul einzigartig. Die türkische Millionen-Metropole am Bosporus ist aber auch ein beeindruckender Schmelztiegel aus Traditionen, Kulturen und Gepflogenheiten der modernen Welt.

So reihen sich moderne Glaskomplexe neben altehrwürdige Sultanspaläste, futuristische Bürotürme neben historische Holzhäuser und bunte Basare neben riesige Shoppingcenter. Fliegende Händler, türkische Barbiere und kleine Lädchen mit Teppichen, Glas- oder Lederwaren sind in den Straßen genauso vertreten wie Geschäfte aller namhaften Weltmarken.

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