Istanbul mal anders: die Prinzeninseln
Istanbul ist zweifelsohne eine beeindruckende Stadt. Beeindruckend wegen seiner Geschichte, wegen der einmaligen geographischen Lage, wegen der Mischung aus Tradition und Moderne, wegen der Größe, wegen des bunten und lebhaften Treibens. Aber Istanbul ist auch laut, hektisch und manchmal einfach irgendwie zu voll.

Doch auf der asiatischen Seite der türkischen Metropole, nur ein paar Kilometer südöstlich des Bosporus, geht es auch ganz anders. Hier liegen nämlich die Prinzeninseln – und ein wenig scheint es, als sei die Zeit kurz stehengeblieben.
Inhalt
- 1 Prens Adaları
- 2 Büyükada
- 3 Burgazada
- 4 Heybeliada
- 5 Kinaliada
- 6 Mehr Insel-Tipps:
- 6.1 Anreise & Fähren: so kommst du entspannt hin
- 6.2 Beste Reisezeit & Tagesrhythmus
- 6.3 Strände & Baden: was du wissen solltest
- 6.4 Kulinarik: von Meze bis Dondurma
- 6.5 Büyükada – kleine Runde, großer Blick
- 6.6 Burgazada – Literaturspaziergang & Meer
- 6.7 Heybeliada – Picknick & Musik
- 6.8 Kınalıada – der ruhige Gegenpol
- 6.9 Bewegung vor Ort: zu Fuß & per Rad
- 6.10 Etikette & Achtsamkeit
- 6.11 Praktisch & leicht: Packliste für den Tagesausflug
- 6.12 Mini-FAQ
- 6.13
- 6.14 Ähnliche Beiträge
Prens Adaları
Die Prinzeninseln, die auf türkisch Prens Adaları heißen, meist aber einfach nur Adalar genannt werden, sind eine kleine Inselgruppe aus neun Inseln. Mit Büyükada, Burgazada, Heybeliada und Kinaliada sind vier davon bewohnt.
Ihren Namen verdanken die Inseln einer nicht ganz so schönen Begebenheit: Um Streitigkeiten um den Thron vorzubeugen, ließen frühe Herrscher ihre Brüder kurzerhand ermorden.
Dann folgte eine Zeit, in der die Brüder des Thronfolgers unter einem strengen Hausarrest standen oder in einem Teil des Serails untergebracht wurden, der sich Prinzenkäfig nannte.
Später wurden die byzantinischen Prinzen und Fürsten auf die Prinzeninseln verbannt und so erhielt die Inselgruppe ihren Namen. Neben den ins Exil geschickten Thronfolgern wohnten lediglich ein paar Mönche und Fischer hier.
Anfang des 19. Jahrhunderts, als Istanbul als Hauptstadt des osmanischen Reiches noch Konstantinopel hieß, wurden die Inseln als Erholungsgebiet wiederentdeckt. Wesire, Hofärzte, Diplomaten, Fabrikanten und reiche Kaufleute ließen Villen im viktorianischen Stil erbauen und verbrachten hier ihre Ferien. Schon damals wurde eine regelmäßige Fährverbindung eingerichtet.
Heute leben rund 20.000 Menschen auf den Prinzeninseln. Im Sommer können es jedoch deutlich mehr werden. Dann kommen nämlich nicht nur Touristen, sondern auch viele Istanbuler auf die Inseln.
Wer es sich leisten kann, entflieht nicht nur für einen Tag dem Stress, Lärm und Smog der türkischen Metropole, sondern residiert hier in seinem Sommerhäuschen. In Istanbul heißt es, dass derjenige, der reich ist, die Inseln mit seiner eigenen Yacht ansteuert. Derjenige, der bedeutend ist, hat hier seinen Sommerwohnsitz.
Übrigens wusste auch Kemal Atatürk die Schönheit, Frische und Ruhe der Inseln zu schätzen, auch wenn es bei Empfängen von Staatsgästen durchaus feucht-fröhlich zuging.
Dass die Inseln bis heute ein herrlicher Kontrast zum lauten und lebhaften Istanbul sind, ist trotzdem ein Stück weit Atatürk zu verdanken.
Der Legende nach soll er nämlich verfügt haben, dass die Inseln für immer autofrei bleiben sollen. Tatsächlich sind Kutschen, Fahrräder und die eigenen Füße die einzigen Fortbewegungsmittel auf den Inseln.

Büyükada
Büyükada ist mit einer Fläche von rund fünf Quadratkilometern die größte der vier bewohnten Prinzeninseln. Nach einer kurzen Erkundung des Hafens, der ganz im Zeichen osmanischer Architektur steht, lohnt sich eine Elektro-Busfahrt, ehemals Kutschenfahrt um die Insel.
Die Tour führt vorbei an prächtigen Villen, wunderschönen Gärten, einer armenisch-katholischen Kirche aus dem Jahre 1858, dem inseleigenen Kulturhaus und schließlich durch dichte, herrlich duftende Pinien- und Laubwälder.
Am Fuße des Berges endet die Kutschenfahrt vorerst, denn der Weg hinauf zum Kloster des Heiligen Georg muss zu Fuß zurückgelegt werden. Den Aufstieg säumen Bäume, an denen unzählige bunte Zettel und andere kleine Gegenstände hängen. Sie symbolisieren die Wünsche, die leise im Kloster geflüstert werden.
Übrigens besuchen auch gläubige Muslime das St. Georg Kloster, denn der Heilige Georg sollen allen, unabhängig von ihrem Glauben, in der Not helfen.
Aber es müssen gar keine religiösen Gründe sein, denn der Aufstieg auf die Bergkuppe lohnt sich allein schon wegen der fantastischen Aussicht.
Wer sich stärken möchte, findet auf Büyükada zahlreiche Cafés und Restaurants, die für ihre hervorragende Küche bekannt sind. Und wem es auf der Insel so gut gefällt, dass er noch länger bleiben möchte, kann in einem der Hotels übernachten.
Hier mal Impressionen:
Burgazada
Burgazada verdankt ihren Namen einer früheren Festung und gilt als die schönste der Prinzeninseln. Der Besucher fühlt sich ein wenig, als wäre er in Griechenland gelandet.
Dies mag an den beiden griechischen Klöstern auf der Insel liegen, oder auch an der sehr guten griechischen Küche, die hier angeboten wird.
Neben einer Kutschenfahrt um die Insel laden mehrere Strände zu einem erholsamen Strandtag ein. Ein weiterer Pflichtpunkt auf dem Insel-Ausflugsprogramm ist das Haus von Sait Faik Abasıyanık.
Der türkische Schriftsteller gilt als der Wegbereiter der modernen türkischen Kurzgeschichte und seine Geschichten erzählen in einem ungekünstelten, authentischen Istanbuler Türkisch aus dem Leben verschiedenster Bewohner der Metropole.

Heybeliada
Heybeliada ist vor allem als Picknick-Insel sehr beliebt. Im Sommer genießen viele Istanbuler Familien die herrlichen Parkanlagen und lassen es sich bei einem leckeren Essen so richtig gut gehen.
Oft gibt es zudem Live-Musik von verschiedenen Gruppen. Wer türkische Kultur erleben und beflügelt von der tollen Atmosphäre vielleicht auch einmal ein Tänzchen wagen möchte, ist hier genau richtig.
Auf der Insel befindet sich allerdings auch eine Militärbasis. Deshalb sind ein paar Bereiche der Insel für Besucher gesperrt.
Kinaliada
Die Insel wird auch Henna Insel genannt, denn der hohe Anteil an Kupfer und Eisen gibt der Erde hier ihre charakteristische Farbe. Wirklich viel zu sehen gibt es auf der Insel nicht.
Vielleicht lohnt sich aber gerade deshalb ein Besuch. Da sich nur wenige Touristen hierher verirren, geht es auf der Insel herrlich ruhig und gemütlich zu. Ein idealer Gegenpol zum lebendig-hektischen Istanbul also.

Mehr Insel-Tipps:
Anreise & Fähren: so kommst du entspannt hin
Die Prinzeninseln erreichst du mit öffentlichen Fähren ab Kadıköy, Bostancı, Eminönü oder Kabataş. Bezahlt wird bequem mit der Istanbulkart.
Wer die Inselruhe sucht, setzt auf frühe Abfahrten unter der Woche und nimmt für die Rückfahrt eine Verbindung vor dem ganz späten Abend – so bleibt genug Puffer für einen gelassenen Heimweg.
Beste Reisezeit & Tagesrhythmus
Im Frühling und Herbst zeigen die Inseln ihr mildes, klares Gesicht – ideal für Spaziergänge, Fotospots und Picknicks.
Im Sommer wird es voll und warm: Starte früh, plane Schattenpausen ein und genieße den späten Nachmittag, wenn das Licht weich wird und die Tagesgäste abziehen.
Strände & Baden: was du wissen solltest
Es gibt öffentliche Badestellen und gepflegte Strandbereiche mit Liegen. Pack Badeschuhe ein (felsiger Einstieg), halte die Badezonen frei und nimm Müll wieder mit.
Das Wasser ist meist ruhig, bei Wind können Wellen und Strömung zunehmen – eine kurze Lageprüfung vor Ort schadet nie.

Kulinarik: von Meze bis Dondurma
Auf den Inseln findest du Meze-Auswahlen, frischen Fisch, Simit zum Mitnehmen und richtig gutes Dondurma. Am Wochenende lohnt sich eine kurze Reservierung oder ein früher Besuch – die schönsten Terrassenplätze sind beliebt.
Büyükada – kleine Runde, großer Blick
Für eine sanfte Einführung bietet sich ein Rundweg vom Hafen an: erst durch die Straßen mit den Holzvillen, dann in die Pinien. Wer weiter hinaufgeht, wird mit Panorama belohnt.
Nimm Wasser mit, trag feste Schuhe und gönn dir oben eine Pause – der Blick Richtung Marmara-Meer macht still.
Burgazada – Literaturspaziergang & Meer
Burgazada wirkt wie ein gelassener Zwilling der Ägäis. Ein Abstecher zum Haus von Sait Faik Abasıyanık verbindet Spaziergang und Literatur.
Danach locken kleine Badebuchten oder ein später Lunch direkt am Wasser – griechisch geprägt, schlicht und köstlich.
Heybeliada – Picknick & Musik
Heybeliada ist die Picknick-Insel. In den Parkanlagen spielt oft Live-Musik, Familien breiten Tücher aus, Kinder toben – und irgendwann tanzt man einfach mit.
Halte dich an die Grill-Regeln vor Ort und lass die Wiese so sauber zurück, wie du sie vorgefunden hast.
Kınalıada – der ruhige Gegenpol
Die erdige Rotfärbung der Insel gibt Kınalıada ihren Spitznamen „Henna-Insel“. Es gibt weniger Sehenswürdigkeiten, dafür viel Ruhe.
Perfekt, wenn du dem Rummel entfliehen willst: lesen, baden, ziellos bummeln – mehr braucht es nicht.

Bewegung vor Ort: zu Fuß & per Rad
Das Schönste entfaltet sich zu Fuß. Für längere Distanzen sind Fahrräder/E-Bikes praktisch – achte bergab auf Fußgänger, halte an engen Stellen an und nimm Rücksicht in Wohnstraßen. Die Inseln bleiben gerade deshalb so erholsam, weil der Verkehr entschleunigt ist.
Etikette & Achtsamkeit
An Klöstern und Wunschbäumen gilt: leise sein, keine Äste beschädigen, keine Bänder fest verknoten. Hunde und Katzen sind Teil des Insellebens – freundlich, aber keine Snacks vom Tisch. Ein kleines Tuch in der Tasche ist praktisch (Sonne, Schultern, spontaner Kirchenbesuch).
Praktisch & leicht: Packliste für den Tagesausflug
- Leichte Schuhe mit Grip
- Sonnenschutz, Kopfbedeckung, Wasser
- Badeschuhe & kleines Handtuch
- Kleines Bargeld (Snacks, Strand, Rad)
- Powerbank – die Panorama-Fotos wollen geladen werden
Drei kompakte Tagestouren
1) Der Klassiker: Büyükada light
Hafen – Holzvillen – Pinienweg – Aussicht – später Lunch – kurzer Badestopp – Rückfahrt vor Sonnenuntergang.
2) Kultur & Küste: Burgazada + Heybeliada
Morgens Burgazada (Literatur & Bucht), mittags Fähre nach Heybeliada, Picknick & Musik – zurück in der „Golden Hour“.
3) Ruhepuls: Kınalıada
Frühe Fähre, Badestelle, langer Lunch, Lesestunde am Wasser, Rückfahrt mit Abendbrise.

Mini-FAQ
Wie komme ich hin? Öffentliche Fähren ab Kadıköy, Bostancı, Eminönü, Kabataş – bezahlen mit Istanbulkart.
Wie lange einplanen? Ein Tagesausflug passt gut; wer die Stille mag, bleibt eine Nacht.
Sind die Inseln autofrei? Ja, das ist Teil ihrer Besonderheit – bewege dich zu Fuß oder mit dem Rad.
Wo esse ich gut? Entlang der Uferpromenaden und auf schattigen Terrassen – Meze, Fisch, Salate, Simit, Dondurma.
Gibt es Strände? Ja, öffentliche Zonen und Beach-Clubs; Badeschuhe einpacken, Regeln beachten.
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