Bauland in Istanbul

Bauland in Istanbul

 

Istanbul scheint auf einem sehr guten Weg zu sein, an den Glanz der früheren Zeiten anzuknüpfen. Die türkische Metropole ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht, hat sich zum Handels-, Finanz- und Kulturzentrum der Türkei entwickelt und ist zu einer echten Mega-City herangewachsen.

Heute muss Istanbul den Vergleich mit Metropolen wie Paris, London oder New York nicht mehr scheuen – aber ein Dasein als moderne Weltstadt hat auch seinen Preis.

 

Bauland in Istanbul wird zunehmend knapp, entsteht aber auch neu.

Die Bau- und Immobilienbranche in Istanbul kann sich wahrlich nicht beklagen. Seit einigen Jahren wird in Istanbul gebaut, was das Zeug hält. Neben der Textilbranche ist der Bausektor längst zum wichtigsten Motor geworden, der das Wirtschaftswachstum kräftig ankurbelt.

Historische Gebäude werden saniert, neue Wohn- und Gebäudekomplexe entstehen, topmoderne Einkaufscenter öffnen ihre Pforten, die Istanbuler Skyline wird immer mehr zu einem Mix aus alten Häusern, Moscheen und Hightech-Wolkenkratzern. Die Regierung treibt das Wachstum und das Bild des neuen Istanbuls voran. Gleichzeitig versucht sie mit Projekten wie dem kürzlich eröffneten Marmaray Tunnel oder dem Ausbau des Metronetzes dazu beizutragen, dass auch die Infrastruktur mit dem rasanten Wachstumstempo mithalten kann.

Im alten Stadtkern Istanbuls gibt es praktisch kein Bauland mehr. Zwar hatte sich die Regierung recht kreativ gezeigt und Grünflächen sowie Parkanlagen in der Stadt als Bauland deklariert, das beispielsweise für Einkaufscenter oder Bürogebäude deutlich effektiver genutzt werden könnte. Nach Konflikten mit der Bevölkerung und Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Staatsmacht wurden derartige Pläne aber wieder verworfen. Im Gegenteil entstehen sogar neue Parkanlagen in Istanbul, beispielsweise in Zeytinburnu unweit der Wettrennbahn.

Gibt es in der Innenstadt kein Bauland mehr, wird eben auswärts weiter gebaut. So entsteht neues Bauland, indem die Baunutzungspläne kurzerhand geändert werden.

Schon jetzt zieht sich ein Gürtel aus Neubausiedlungen um Istanbul, die zwischen 40 und 80 Kilometer vom Stadtkern entfernt sind und von der neuen Mittelschicht bewohnt werden. Und die Pläne gehen weiter. So soll beispielsweise bis 2017 Kayasehir im Norden der Stadt zu einer Siedlung mit Wohnraum und Arbeitsplätzen für eine Million Menschen umgebaut werden, die sich nicht nur durch die Nähe zum neuen Großflughafen auszeichnen, sondern auch eine Anbindung an die Autobahn und die Metro bekommen soll.

Die Baupläne der Stadt bringen natürlich einige Veränderungen mit sich. Land, das bisher schnödes Ackerland war, wird zu Bauland und damit entsprechend wertvoller. In Privatisierungsaktionen werden Gelände, auf denen alte, seit Jahren stillgelegte Fabriken stehen, als neues Bauland verkauft und finden dank ihrer oft günstigen Lage an der Stadtautobahn begeisterte Abnehmer.

Die ausländer- und unternehmerfreundliche Politik macht Investoren die Entscheidung für Istanbul leichter. Hinzu kommen die Banken, die interessierten Immobilienkäufern Kredite zu fairen Konditionen anbieten und günstige Baudarlehen vergeben.

 

Bauboom in Istanbul – eine Win-Win-Situation für alle?

Auf den ersten Blick scheint sich eine klassische Win-Win-Situation für ganz Istanbul zu ergeben: Die Wirtschaft verzeichnet ein solides und stetiges Wachstum, Arbeitsplätze entstehen, Istanbul entwickelt sich zu einer modernen, weltoffenen Stadt, historische Gebäude erstrahlen in neuem Glanz, der Staat kann sich über ordentliche Steuereinnahmen freuen und die Mittelschicht wächst und kann stolz präsentieren, was sie erreicht hat.

Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht, denn Istanbuls Erneuerung hat durchaus auch ihre Schattenseiten. Um neues Bauland zu gewinnen und Bauprojekte wie beispielsweise die neue Stadtautobahn realisieren zu können, werden unter anderem Waldflächen abgeholzt.

Natürlich bleibt das nicht ohne Folgen für die Umwelt. Siedlungen aus einfachen Hütten, die teils illegal entstanden sind und in denen die Armen leben, müssen prestigeträchtigen Bauvorhaben weichen. Aufwendig und liebevoll sanierte historische Gebäude lassen den Glanz alter Zeiten wiederaufleben, gleichzeitig aber auch die Mieten spürbar steigen. Wer sich die Miete nicht mehr leisten kann, dem bleibt letztlich nichts anderes übrig, als an den Stadtrand zu ziehen. Allerdings ist das kein Istanbuler Phänomen. Die gleiche Entwicklung lässt sich überall auf der Welt beobachten, unter anderem auch in deutschen Großstädten.

Natürlich wird auch in Istanbul der Markt irgendwann gesättigt sein. Eine Subprime-Krise wie in den USA wird es in der Türkei aber aller Voraussicht nach nicht geben, denn türkische Banken vergeben zwar durchaus attraktive, aber eben keine faulen Kredite. Trotzdem gibt es auch in Istanbul keine Garantie dafür, dass wirklich jede Wohnung, jedes Haus, jedes Büro und jedes Ladengeschäft sofort einen Abnehmer findet.

So stehen beispielsweise rund um das neue Justizzentrum im asiatischen Teil der Stadt mehrere Hochhäuser mit modernen Büros, die noch keine Käufer oder Mieter gefunden haben. Vielleicht sind es aber auch einfach nur die Preisvorstellungen der Verkäufer, die aus Sicht potenzieller Käufer zu hoch angesetzt sind. Trotz des Baubooms, des florierenden Immobilienmarktes und nicht zuletzt der Tatsache, dass Istanbul eine beeindruckende und wahrlich einzigartige Stadt ist, gilt hier, wie überall auf der Welt auch: Entscheidend für den Wert von Bauland und Immobilien ist und bleibt die Lage.

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Thema: Bauland in Istanbul

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Redakteure

Emine Gülcan, 46 Jahre, Immobilienmaklerin in Istanbul und Marmaris, Malek Sahouri, 35 Jahre, Reiseblogger, Mehmet Keskin, 42 Jahre, Rechtsberater schreiben hier Wissenswertes zu den Immobilienerwerb in Istanbul bzw. in der Türkei, geben viele Tipps und Reiseinformationen für die Region.

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