Deutsche Unternehmen in Istanbul

Deutsche Unternehmen in Istanbul

 

Die Gemeinsamkeit zwischen einem MAN-Reisebus und einem edlen Hugo Boss-Anzug wird nicht auf den ersten Blick offensichtlich. Erst bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass beide Produkte in der Türkei hergestellt wurden.

Dabei sind die beiden Erzeugnisse keineswegs eine seltene Ausnahme. Immer mehr deutsche Unternehmen entdecken den türkischen Markt für sich und besonders Istanbul steht bei ihnen hoch im Kurs.

 

Deutsche Unternehmen in Istanbul

Die großen Konzerne haben schon lange den Weg in die Metropole am Bosporus gefunden. Vor über 100 Jahren machten Siemens und Bosch den Anfang, später kamen Autobauer und Zulieferer dazu. Einige Jahrzehnte lang ebbte das Interesse dann ab, denn sowohl die wirtschaftliche Lage als auch die politischen Rahmenbedingungen ließen ausländische Investoren zögern. Mit Beginn des neuen Jahrtausend setzte die Türkei zu einem regelrechten Höhenflug an.

Die Wirtschaft wächst seit Jahren konstant und hat der Türkei einen sicheren Platz in den Top 20 der weltweit größten Volkswirtschaften eingebracht. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt schafft es die Türkei im europäischen Vergleich sogar in die Top 10. Die Wachstumsrate der türkischen Wirtschaft ist ungefähr so hoch wie die von China.

Zahlreiche deutsche Industrieunternehmen, die bis dahin lediglich Vertriebsgesellschaften in der Türkei betrieben hatten, begannen verstärkt mit dem Aufbau eigener Produktionsstandorte und Niederlassungen. Andere deutsche Unternehmen stiegen in türkische Unternehmen ein und auch der Mittelstand entdeckte das Land für sich. Mittlerweile sind gut 4.000 deutsche Unternehmen in der Türkei tätig, der Großteil davon ist in Istanbul ansässig. So finden sich in Istanbuls Straßen beispielsweise zahlreiche Filialen von Geschäften aus der Metro-Gruppe.

 

In der Tat gibt es auch einige gute Gründe,
die für die einstige Hauptstadt des Osmanischen Reiches sprechen:

·         Mehrere Reformen haben ein investoren- und unternehmerfreundliches Klima geschaffen. Die rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für ausländische Investoren gehören zu den liberalsten weltweit. Ob eine günstige Steuerpolitik, diverse Förderprogramme, ein vergleichsweise einfacher Zugang zu Finanzmitteln auch für kleine und mittelgroße Betriebe oder ein Handelsgesetzbuch, das über weite Strecken dem deutschen Handelsgesetzbuch gleicht – die Türkei macht deutschen Unternehmen den Eintritt in den Markt recht leicht.

 

·         Istanbul ist per Flieger schnell und bequem zu erreichen und bietet als Drehscheibe zwischen Europa, Asien und dem Nahen Osten ideale Standortbedingungen. Unternehmen, die in Istanbul ansässig sind, können somit nicht nur den türkischen Markt erobern und Europa beliefern, sondern auch ihre Geschäftsbeziehungen nach Asien und Nordafrika ausbauen.

 

·         Die Istanbuler Bevölkerung ist jung, dynamisch, gut ausgebildet und offen für Neues. Zusammen mit dem soliden Wirtschaftswachstum hat sich das Durchschnittseinkommen deutlich erhöht und die Bereitschaft, das Geld auch auszugeben, ist da. Die Istanbuler kaufen Wohnungen, Autos und Möbel, sie shoppen Mode und Unterhaltungselektronik und sie lassen es sich in Restaurants, Bars und Cafés gut gehen. Das Absatzpotenzial quer durch alle Branchen ist also enorm, ebenso wie das Potenzial an Arbeitskräften.

 

Natürlich ist es auch in Istanbul nicht paradiesisch einfach. Niedrige Steuern, Fördergelder, überschaubare bürokratische Hürden und ein günstiges Lohnniveau mit geringeren Lohnnebenkosten als hierzulande sind zwar gute Argumente. Die Steuern sind aber doch deutlich höher als manche glauben und die Löhne gerade in Istanbul sind längst auf deutsches Niveau geklettert. Hinzu kommen die kulturellen Unterschiede, die durchaus zu einer echten Herausforderung werden können.

Trotzdem sind die Zukunftsaussichten hervorragend. Ein Grund hierfür sind die ehrgeizigen Pläne der türkischen Regierung, die Türkei wirtschaftlich noch weiter nach vorne zu bringen und aus Istanbul wieder die mächtige und glanzvolle Metropole zu machen, die es einst war.

Dies wiederum erfordert den Auf- und Ausbau einer soliden Infrastruktur, angefangen bei Straßen, Autobahnen, Brücken und Tunnel über Wohn- und Geschäftsgebäude, Schulen und Unis bis hin zu Krankenhäusern, Unterhaltungszentren oder der Energieversorgung. Hinzu kommt das Konsumbedürfnis der Istanbuler, das befriedigt werden will.   

 

Interessante Branchen für deutsche Unternehmen in Istanbul

Ein Blick auf die Mitgliederliste der deutsch-türkischen IHK zeigt, dass deutsche Unternehmen in Istanbul in nahezu allen Branchen vertreten sind. Dennoch zeichnen sich Trends ab. So ist die Türkei kein Land mehr, in dem beispielsweise massenweise Billig-Textilien hergestellt werden.

 Stattdessen bieten vor allem folgende Branchen gute Chancen für deutsche Unternehmen:

 

·         Die Automobilindustrie kann schon jetzt beachtliche Erfolge vorweisen. In der Gesamtproduktion von Fahrzeugen belegte die Türkei 2010 den 16. Platz weltweit und den 5. Platz in Europa, bei den Nutzfahrzeugen waren es der 9. Platz in der Weltrangliste und in Europa sogar die Spitzenposition. Die Ziele sind aber noch lange nicht erreicht. Bis 2023 sollen jährlich zwei Millionen Fahrzeuge von türkischen Bändern laufen. Die Ausgangsposition für Autobauer und Zulieferer ist somit entsprechend attraktiv.

 

·         Die Türkei möchte und muss ihre Infrastruktur auf den neusten Stand bringen, um als Wirtschaftsstandort und in Sachen Wettbewerbsfähigkeit attraktiv zu bleiben. Die Regierung investiert kräftig und bietet damit gleichzeitig hervorragende Optionen für die Baubranche. Davon profitiert dann auch die Transport- und Logistikbranche. Zahlreiche Privatisierungen stehen an und regelmäßig werden der Bau und der Betrieb von Infrastrukturprojekten ausgeschrieben und zeitlich begrenzte Konzessionen vergeben.

 

·         Die Elektro- und Elektronikbranche hat sich zu einem wichtigen Produktions- und Exportzweig entwickelt. Hinzu kommt das Interesse und die Kaufbereitschaft im Land, sowohl wenn es um moderne, praktische Haushaltsgeräte geht als auch mit Blick auf chice, angesagte Unterhaltungselektronik.

 

·         Um den hohen Energiebedarf zu decken, wurde bereits einiges unternommen. Nach wie vor sind jedoch Investitionen im dreistelligen Millionenbereich erforderlich. Zusammen mit der strategisch überaus attraktiven Lage ist und bleibt Istanbul dadurch für die Energiebranche enorm interessant.

 

·         Die Technologiebranche findet optimale Bedingungen für ihre Forschungs- und Entwicklungsarbeiten. Lukrative Vergünstigungen, sehr gute Bedingungen und obendrein eine direkte Anbindung zum Flughafen bietet beispielsweise der “Teknopark Istanbul”, der im August 2013 eröffnet wurde und bis zu seiner vollständigen Fertigstellung 2023 zum größten Forschungs- und Entwicklungszentrum Europas heranwachsen soll. 

 

·         Die Nahrungsmittelindustrie findet in der Landwirtschaft einen attraktiven Markt. Die klimatischen Bedingungen, die Binnennachfrage, die allmähliche Automatisierung mit positiven Auswirkungen auf die Produktionseffizienz oder die jetzt schon vorhandene Marktposition als Anbau- und Exportland bei zahlreichen landwirtschaftlichen Erzeugnissen sind nur ein paar Gründe, die für die Türkei sprechen.

 

Der türkische Telekommunikationsmarkt war in der Vergangenheit stark in Bewegung. Die Anzahl der Festnetzanschlüsse ging zwar zurück, dafür verzeichnete der Mobilfunk jedoch einen kräftigen Anstieg. Bei den Interzugängen ist noch viel Luft nach oben. Die Privatisierung der “Türk Telekom”, die Einführung der Nummernübertragbarkeit und der Start von Multimediadiensten waren Faktoren, die den Wettbewerb angekurbelt haben und deutschen Unternehmen gute Einstiegschancen bescheren.

 

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Thema: Deutsche Unternehmen in Istanbul

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Redakteure

Emine Gülcan, 46 Jahre, Immobilienmaklerin in Istanbul und Marmaris, Malek Sahouri, 35 Jahre, Reiseblogger, Mehmet Keskin, 42 Jahre, Rechtsberater schreiben hier Wissenswertes zu den Immobilienerwerb in Istanbul bzw. in der Türkei, geben viele Tipps und Reiseinformationen für die Region.

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