Istanbul und der Orient-Express

Istanbul und der Orient-Express

 

Aus Geschichtsbüchern, Filmen oder dem legendären Agatha Christie-Krimi Der Mord im Orient-Express dürfte jedem der einstige Luxuszug zumindest dem Namen nach ein Begriff sein. Aber was haben Istanbul und der Orient-Express miteinander zu tun?

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Nun: Im europäischen Teil der Stadt befindet sich der Bahnhof Sirkeci und dieser Bahnhof war die Endstation des Orient-Express. Im asiatischen Teil der Stadt befindet sich der Bahnhof Haydarpaşa. Reisende, die den fernen Orient als Ziel hatten, setzen von hier aus mit der Bagdadbahn ihre Fahrt fort.

 

Istanbul und der Orient-Express

Der Orient-Express bot von Anfang an allen Komfort, der Ende des 19. Jahrhunderts denkbar war. Die Waggons waren mit edelsten Möbeln und Einrichtungsgegenständen ausgestattet, die renommierte Künstler eigens für den Zug entworfen hatten.

Der Service war so ausgelegt, dass er selbst den höchsten Ansprüchen von Königen, Fürsten sowie der Reichen und Schönen der damaligen Zeit gerecht wurde. Seine erste Fahrt von Paris nach Istanbul, das seinerzeit noch Konstantinopel hieß, trat der Orient-Express im Oktober 1883 an. Seitdem galt der Zug als Fortbewegungsmittel für ein wohlhabendes Publikum aus elitären Kreisen und dementsprechend viele Mythen und Legenden rankten sich um den Orient-Express.

Agatha Christies Krimi Der Mord im Orient-Express verhalf dem Zug zu noch mehr Berühmtheit und beflügelte die Phantasie zusätzlich. Mit der Endstation am Istanbuler Bahnhof Sirkeci erreichten die Reisenden ein Ziel, das verglichen mit Paris wie eine andere Welt erschien. Istanbul versprühte den Charme aus 1001 Nacht und verkörperte das, was sich die Reisenden unter dem Orient vorstellten.

Wer allerdings tatsächlich den tiefen, fernen Orient ergründen wollte, wechselte in den asiatischen Teil Istanbuls und fuhr vom Bahnhof Haydarpaşa mit der Bagdadbahn weiter.  

 

Istanbul und die Bagdadbahn

Die Bagdadbahn war ein Gemeinschaftsprojekt von Sultan Abdülhammit II. und Kaiser Wilhelm II. Das Osmanische Reich erstreckte sich Anfang des 20. Jahrhunderts von Ägypten bis zum Persischen Golf und die Erschließung gehörte zu den wichtigsten Plänen. Schon seit Ende des 19. Jahrhunderts hatten die Osmanen und die Deutschen zusammengearbeitet und so war die Bahnstrecke durch Anatolien bis nach Konya bereits fertig. Nun sollte die Strecke weiter ausgebaut werden.

Die Deutsche Bank steuerte die Finanzmittel dafür bei, deutsche Architekten und Unternehmen wurden mit dem Bau beauftragt. Auch beim prächtigen Bahnhof Haydarpaşa führte ein deutscher Architekt Regie. Ernsthafte Schwierigkeiten kamen auf, als 1903 der Ausbau in Richtung Süden begann. Das Taurusgebirge stellte das Bauvorhaben vor immense Herausforderungen. So mussten in Höhen von bis zu 1.478 Metern und auf einer Länge von 64 Kilometern insgesamt 44 Tunnel gegraben und gebaut werden.

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Die Bagdadbahn gilt bis heute als ein Jahrhundertprojekt und eines der imposantesten Bauvorhaben des 20. Jahrhunderts. Doch die gefährlichen Arbeiten an dem Prestigeprojekt kosteten so manchen Arbeiter das Leben. Mit dem Ersten Weltkrieg stoppte der Weiterbau vorerst. Die Ära des Osmanischen Reiches war beendet und die Türkei als neuer Staat legte ihre Landesgrenzen neu fest.

So endete die Bahnstrecke zunächst unweit der Grenze zwischen der Türkei und Syrien. 1940 konnte die rund 2.500 Kilometer lange Bahnstrecke dann zwar endgültig fertig gestellt werden, ein geregelter Bahnverkehr wurde aber immer nur zeitweise etabliert. Die Türkei und der Irak unternahmen auch im neuen Jahrtausend mehrere Anläufe, um einen regelmäßigen und geregelten Bahnverkehr einzurichten. Der letzte Irak-Krieg bedeutete jedoch das Aus für diese Pläne.

 

Nostalgische Zugreisen nach und von Istanbul heute

Für eine Reise in den Orient ist heute das Flugzeug das Transportmittel der Wahl und für Reisen innerhalb der Türkei fahren die meisten mit dem Bus oder dem Auto. Der Verkehr hat sich in die Luft und auf die Straßen verlagert, der klassische Schienenverkehr hat deutlich an Bedeutung verloren.

Die eindrucksvollen Istanbuler Bahnhöfe sind aber nach wie vor in Betrieb. Der Bahnhof Sirkeci wird regelmäßig von Zügen aus Belgrad, Bukarest und Thessaloniki angesteuert. Der letzte echte nostalgische Orient-Express beendete seine Fahrt 1962 in Istanbul. Seit den 1970er-Jahren bieten einige private Reiseunternehmen aber Zugfahrten an, die in verschiedenen Routen von Europa nach Istanbul führen und in originalgetreu restaurierten Zugwaggons stattfinden.

Vom Bahnhof Haydarpaşa aus startet der Taurusexpress, der Ziele in Anatolien ansteuert. Zudem gibt es mehrere Zugverbindungen, die die früheren Strecken der legendären Bagdadbahn nutzen. Die Reisen sind zwar nicht mehr so luxuriös wie früher, versprühen aber trotzdem einen Hauch von Nostalgie. Dies gilt vor allem für einen Zug, der von Istanbul bis ins syrische Aleppo fährt.

Obwohl dieser Zug Express heißt, ist er eher eine gemütliche Bummelbahn. Aber er nutzt exakt die Strecke, auf der einst auch Agatha Christie reiste, wenn sie ihren Mann bei archäologischen Ausgrabungen in Syrien besuchte.

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Inhaber bei Artdefects Media Verlag
Emine Gülcan, 46 Jahre, Immobilienmaklerin in Istanbul und Marmaris, Ali Tiyekli, 48 Jahre, Immobilienmakler, Malek Sahouri, 35 Jahre, Reiseblogger, Mehmet Keskin, 42 Jahre, Rechtsberater und Christian Gülcan, Betreiber und Redakteuer dieser Webseite, schreiben hier Wissenswertes zu den Immobilienerwerb in Istanbul bzw. in der Türkei, geben viele Tipps und Reiseinformationen für die Region.
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