Die Galata-Brücke in Istanbul

Die Galata-Brücke in Istanbul

 

Die Galata-Brücke in Istanbul ist weit mehr als nur eine Brücke, die zwei Ufer miteinander verbindet. Sie ist vielmehr Flaniermeile, Uferpromenade, Basar, Aussichtsplattform und Verkehrsader in einem. Und wie für Istanbul typisch, hat auch die Galata-Brücke eine lange und bewegte Geschichte.

 

Die Galata-Brücke weckte schon das Interesse da Vincis.

Im Jahre 1502 war Leonardo da Vinci zu Ohren gekommen, dass Sultan Bayezid II. eine bedeutsame Brücke plante. Diese Brücke sollte das Goldene Horn und damit den 500 Meter breiten Meeresarm überspannen, der die damalige Hauptstadt des Osmanischen Reiches in zwei Hälften teilte. Also erstellte da Vinci eine Skizze von seinen Ideen und Plänen für die Brücke und schickte sie zusammen mit einem Brief an den Sultan.

Ob die Zeichnung den Sultan nicht überzeugte, ob er von dem recht plumpen Angebot des Italieners nicht angetan war oder ob die Post aus Florenz den Sultan erst gar nicht erreicht hatte, ist nicht bekannt. Jedenfalls interessierte sich der Sultan für einen anderen Baumeister, nämlich für Michaelangelo Buonarroti.

Doch Michaelangelo war aus religiösen Gründen unsicher und nachdem auch noch der Papst mit Exkommunikation drohte, lehnte der Baumeister die Einladung ab. So wurde zunächst nichts aus der Brücke und die beiden Hälften Konstantinopels blieben weiterhin voneinander getrennt.

 

Hier war die alte Tradition, dort die westliche Moderne.

Die beiden Stadthälften des alten Konstantinopels hätten kaum gegensätzlicher sein können. In Istanbul, dem alten Teil der Stadt, war die Tradition zu Hause. Der Palast des Sultans, Prunkbauten, Moscheen und Basare prägten das Bild. Auf der gegenüberliegenden Seite, in Galata und Pera, ging es moderner, westlich-europäischer, interkultureller und weltoffener zu.

Christliche und jüdische Gotteshäuser, Handelskontore und die Vertretungen abendländischer Staaten siedelten sich hier ebenso an wie ein pulsierendes Nachtleben. So verschieden wie die Stadthälften waren, so unterschiedlich war auch die Haltung. Die einen betrachteten die moderne Stadthälfte sehr skeptisch und argwöhnisch. Ein altes Sprichwort besagte, dass man weiß, was ein Mann sucht, wenn er nach Pera geht. Die anderen waren ganz angetan von der westlichen Moderne.

Unter ihnen war auch Sultan Abdülmecid, der nicht mehr im altehrwürdigen, orientalisch-traditionellen Topkapi-Palast wohnen wollte. Stattdessen plante er für sich einen Neubau in Galata. Also ließ er Mitte des 19. Jahrhunderts den Dolmabahçe-Palast bauen, die Bauzeit betrug 13 Jahre.

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Auf Anraten seiner Mutter ließ er außerdem eine Brücke errichten, die die beiden Stadthälften miteinander verbinden und sinnbildlich dafür stehen sollte, dass der Sultan die Brücken zu seiner Herkunft nicht abbricht. Nach nur einem Jahr Bauzeit war 1845 die Holzbrücke aus schwimmenden Pontons und damit gleichzeitig Istanbuls erste Galata-Brücke fertig.

Die Galata-Brücke wird mehrfach erneuert.

Die Brücke zwischen den beiden Stadthälften entwickelte sich rasch zu einer wichtigen Verbindung und bedeutsamen Verkehrsader. Das Verkehrsaufkommen war sogar so hoch, dass die Holzbrücke schon bald nicht mehr ausreichte. 1863 wurde die Brücke deshalb durch einen breiteren und stabileren Neubau ersetzt, 1875 wurde auch diese Brücke abgerissen und an ihrer Stelle eine Stahlbrücke errichtet.

Auch bei der Stahlbrücke wurde die Bauweise mit schwimmenden Pontons aber beibehalten. Der Beginn des 20. Jahrhunderts brachte große Veränderungen in Sachen Verkehr mit sich. Immer mehr Fahrzeuge waren auf den Straßen unterwegs, mal mit Benzin, mal mit Dampf und mal mit Strom betrieben. Erneut schien eine Erweiterung der Galata-Brücke notwendig. Diesmal sollte die Brücke vier Fahrspuren bekommen, eine davon für eine Straßenbahn. Zudem sollte die neue Galata-Brücke zweistöckig werden.

Den Auftrag für den Bau der Brücke erhielt ein deutsches Unternehmen, 1912 waren die Bauarbeiten beendet. Die neue Brücke, die heute als die eigentliche und wahre Galata-Brücke gilt, wurde zum Sinnbild für das moderne Istanbul. Mit einer Breite von 42 Metern, drei voneinander getrennten Fahrbahnen, der Straßenbahn auf der Mittelspur, großzügigen Bürgersteigen und einer Beleuchtung, die die Brücke die ganze Nacht über erstrahlen ließ, war Istanbul tatsächlich eine europäische Metropole geworden.

Gleichzeitig blieb im unteren Stockwerk der Orient erhalten. Der Basar, die kleinen Teestuben und die vielen Straßenkünstler erinnerten an einen Jahrmarkt mit dem Zauber aus 1001 Nacht. Dazwischen fanden natürlich auch die unzähligen Angler ihren Platz. Die Galata-Brücke wurde zu einem Wahrzeichen Istanbuls und wurde von den Istanbulern genauso ins Herz geschlossen wie von Schriftstellern, Dichtern, Liedermachern und den Touristen.

 

Inzwischen besteht die Galata-Brücke aus Beton.

Nach 80 Jahren endete die Ära der alten Galata-Brücke. Die Bauaufsicht stellte fest, dass das Ponton-Prinzip den Anforderungen der heutigen Zeit nicht mehr gerecht werden konnte. Für den enormen Verkehr, der die Brücke tagtäglich passiert, war die Brücke einfach nicht mehr stabil genug. Also wurde wieder eine neue Galata-Brücke gebaut, erneut von einer deutschen Firma und ebenfalls mit zwei Stockwerken.

Dieses Mal wurde es aber eine Betonbrücke mit festen Pfeilern. Die neue Brücke wurde 1992 eingeweiht. Bis alle Geschäfte, Restaurants, Bars und Teestuben vermietet waren, sollte es aber zehn Jahre dauern, denn es fiel schwer, von der alten Brücke Abschied zu nehmen.

Die heutige Galata-Brücke wird wohl sehr viel länger bestehen bleiben als ihre Vorgängerinnen. Die Zeit wird sie aber auch brauchen, wenn sie annähernd so beliebt und geschichtsträchtig werden will wie die alte Brücke. Eines hat sich aber in all der Zeit nicht verändert: Wer die rund 500 Meter zu Fuß zurücklegen möchte, bräuchte dafür kaum mehr als zehn Minuten. Doch nur die wenigsten schaffen es tatsächlich in dieser Zeit. Es wäre aber auch einfach viel zu schade, auf dem Weg vom Morgenland ins Abendland oder umgekehrt nicht wenigstens einen kurzen Moment innezuhalten.

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