Architektur in Istanbul

Die Architektur in Istanbul

 

Die Megacity Istanbul beeindruckt nicht nur durch ihre Größe, ihre einmalige geographische Lage, ihre enorme Vielfalt an Sehenswürdigkeiten und Ausflugsmöglichkeiten, den spannenden Mix aus Tradition und Moderne, ihre hervorragende Küche oder die ausgeprägte Gastfreundlichkeit.

Auch ihre lange und bewegte Geschichte macht die Stadt zu etwas ganz Besonderen. Bis heute sind die Einflüsse eben dieser Geschichte auf das Stadtbild sichtbar und so ist es wenig verwunderlich, dass die Architektur in Istanbul überaus abwechslungsreich ist.

 

Die byzantinische Architektur in Istanbul

Die antiken Wurzeln der Metropole am Bosporus kommen bis heute vor allem in der Altstadt zum Vorschein. Mehrere Erdbeben, große Brände und auch die wirtschaftliche Lage gegen Ende des Byzantinischen Reiches haben zwar dazu geführt, dass die Mehrheit der Gebäude bereits im 15. Jahrhundert verfallen war. Die Fundamente oder Ruinen einiger Bauwerke und Plätze sind jedoch bis heute erhalten geblieben.

Beispiele hierfür sind die Theodosianische Landmauer, die Seemauern, das Kloster İmrahor Camii, das Hippodrom oder der Palast Tekfur Sarayı. Im Laufe der Zeit wurden die meisten Gebäude baulich stark verändert und dienten dann anderen Zwecken. Einige Bauwerke wiederum sind weitgehend in ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben, darunter etwa der Valens-Aquädukt oder die Zisterne Cisterna Basilica.

Bauwerke, die militärischen Zwecken dienten, sind beispielsweise die Burg Yedikule am südlichen Ende der Theodosianischen Landmauer oder der Leanderturm auf einer Bosporusinsel vor Üsküdar. Bei Angriffen auf die Stadt wurde eine große Kette über den Bosporus gespannt und ein Ende dieser Kette soll am Leanderturm befestigt worden sein. Nahezu unversehrt sind außerdem einige sakrale Bauwerke erhalten geblieben, die teils als Kirchen errichtet, später als Moscheen und danach als Museen genutzt wurden und werden.

Beispiele hierfür sind die Hagia Sophia, die Fethiye Camii, die Kariye Camii und die Hagia Eirene. Bedeutende Zeugnisse der byzantinischen Baukunst sind zudem die Küçük-Aya-Sofya-, die Zeyrek- oder die Kalenderhane-Moschee. Nicht zu vergessen ist aber auch der Galataturm, der das Bild am nördlichen Ufer des Goldenen Horns prägt und heute zu den markantesten Bauwerken Istanbuls gehört.

 

Die osmanische Architektur in Istanbul

Von der osmanischen Baukunst zeugen heute in erster Linie Paläste und Residenzen, Moscheen, prächtige Festungen wie die Rumeli Hisarı oder die Anadolu Hisarı, große Handelshäusern, Basare und Schmuckbauten. Herkömmliche Wohnhäuser hingegen sind kaum erhalten geblieben, denn sie galten lange Zeit als wenig erhaltenswert.

Nach der Eroberung Konstantinopels bestand die klare Zielsetzung der osmanischen Sultane darin, einerseits ihre Macht und ihre Kultiviertheit zum Ausdruck zu bringen und andererseits den Ansprüchen ihres Glaubens gerecht zu werden. Damit erklärt sich, weshalb in dieser Zeit zahlreiche Kirchen und Klöster in Moscheen umgewandelt und neue Moscheen erbaut wurden. Bezeichnet für den osmanischen Baustil war dabei die klar strukturierte, rechteckige Anordnung, die die Grundelemente und Statik der Räume betonen sollte. Im Unterschied dazu wollte die byzantinische Architektur eher eine mystische Atmosphäre schaffen. 

Ausgehend von der frühosmanischen Baukunst und beeinflusst von der byzantinischen, seldschukischen, iranischen und teils auch italienischen Architektur der Renaissance entwickelte sich schließlich der klassische osmanische Baustil. Sein markantestes Merkmal sind die Kuppelkaskaden. Eine große Rolle in diesem Zusammenhang spielt der Architekt Mimar Sinan. Er ist nicht nur für zahlreiche Bauwerke verantwortlich, sondern nahm durch seine Külliyen, das sind soziale Baukomplexe, auch Einfluss auf die Stadtplanung.

Weite Teile der Metropole hatten schon vor der Eroberung durch die Osmanen brach gelegen, andere Gebiete erinnerten eher an Gärten oder an Ansammlungen von kleinen Dörfern. Durch die Külliye entstanden in sich geschlossene, durch Sackgassen verbundene Wohnquartiere. In anderen Stadtteilen blieb die Anordnung der Bauwerke am rechtwinkligen Straßennetz erhalten. Moscheen bildeten hierbei jedoch eine Ausnahme, denn sie mussten in Richtung Mekka weisen.

Dies wiederum hatte zur Folge, dass die Gebäude neben den Moscheen eine mitunter sehr interessante Architektur aufwiesen. Die Gebäude in den Külliyen wurden aus Stein errichtet, während Wohnhäuser, Villen und Paläste meist aus Holz erbaut wurden.

 

Einzug der westlichen Artichektur

Aufstände, Palastintrigen und wirtschaftliche Schwierigkeiten führten dazu, dass die Baukunst im 17. Jahrhundert eine eher untergeordnete Rolle spielte. Ab dem 18. Jahrhundert unterlag die Architektur in Istanbul zunehmend den Einflüssen westeuropäischer Baustile. Beispiele hierfür sind die Nuruosmaniye-Moschee, die Laleli-Moschee oder der Beyazıt-Turm, die Elemente des Barock zeigen.

Die Architekten übernahmen die modernen Baustile jedoch nicht völlig, sondern errichteten weiterhin Bauwerke nach klassischen Vorbildern, die sie durch Elemente aus der westlichen Architektur ergänzten. Unter Sultan Mahmud II. war die Istanbuler Architektur durch eine Variante des Empire-Stil geprägt. Gleichzeitig entstanden weiterhin Bauwerke, die vom Barock-Stil beeinflusst waren. Später kamen zunehmend neogotische Elemente dazu. Im 19. Jahrhundert übernahm die Architekten-Familie Balyan die Führungsrolle in Sachen osmanische Baukunst.

Die Architektur, die klassische Elemente mit westlichen Baustilen kombinierte, sollte die Idee eines großen Weltreichs zum Ausdruck bringen. Zu den Besonderheiten der Istanbuler Architektur gehören Straßenzüge mit osmanischen, meist mehrstöckigen Holzhäusern. Heute sind diese Häuser überwiegend in den Stadtteilen Fatih und Üsküdar zu finden.

Ebenfalls charakteristisch sind die Yalı, mitunter imposante Sommervillen aus Holz an beiden Ufern des Bosporus. Das älteste Yalı in Istanbul ist dabei die Amcazade-Hüseyin-Pascha-Yalısı, die 1699 als Residenz des Großwesirs im Stadtteil Beykoz gebaut wurde. Nach europäischem Vorbild entstanden im 19. Jahrhundert außerdem zahlreiche Mietshäuser mit Ladengeschäften oder Handwerkbetrieben im Erdgeschoss.

 

Die Architektur in Istanbul heute 

Die Bauphase, die Erste Nationale Architekturströmung genannt wird, hielt bis Ende der 1920er-Jahre an. In dieser Zeit orientierte sich die Istanbuler Architektur an klassischen Vorbildern. Insbesondere die Außengestaltung griff die typischen Ornamente und Ausschmückungen des seldschukischen und osmanischen Stils wieder auf. Beispiele für Bauten aus dieser Zeit sind die Schiffsanlegestelle Beşiktaş İskelesi, die 1915 erbaute Haydarpaşa İskelesi, die Vakıf Hanı in Eminönü oder das 1922 fertig gestellte Hotel Merit Antique in Laleli.

Ab den 1930er-Jahren wurden vermehrt ausländische Architekten mit dem Bau von öffentlichen Bauwerken beauftragt. Sie ließen die typisch osmanischen und türkischen Elemente weitgehend verschwinden und gaben den Gebäuden stattdessen eine funktionale Note im internationalen Stil. Der deutsche Architekt und Stadtplaner Bruno Taut gilt als Begründer der sogenannten Zweiten Nationalen Architekturbewegung.

Als Leiter der Architekturabteilung an der Istanbuler Akademie der Schönen Künste und als Vorstand der Bauabteilung im Unterrichtsministerium in Ankara engagierte er sich dafür, dass die osmanische Architektur und die Baustile der früheren Epochen genau analysiert wurden. Diese Kenntnisse sollten die Grundlage dafür bilden, den Modernismus zu überwinden und einen eigenen türkischen Baustil zu entwickeln.

In den vergangenen Jahrzehnten kennzeichnet sich die Architektur in Istanbul durch einen Stilmix mit unterschiedlichsten Facetten. So reihen sich Gebäude nach historischen Vorbildern neben futuristische Gebäude, liebevoll restaurierte Holzhäuser und Gebäude mit ornamental-verspielten Fassaden neben topmoderne Bauten mit nüchternen Glasfronten.

Während die gesamte Istanbuler Altstadt seit 1985 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört und sich der Denkmalschutz darauf konzentriert, kunsthistorisch bedeutende Gebäude zu erhalten, entstehen gleichzeitig Bürotürme, Einkaufscenter und Wohnviertel im modernen und internationalen Stil. Zusammenfassend lässt sich die Architektur in Istanbul heute somit als bunte, beeindruckend vielseitige und tatsächlich gelungene Mischung aus Tradition und Moderne beschreiben.

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Redakteure

Emine Gülcan, 46 Jahre, Immobilienmaklerin in Istanbul und Marmaris, Malek Sahouri, 35 Jahre, Reiseblogger, Mehmet Keskin, 42 Jahre, Rechtsberater schreiben hier Wissenswertes zu den Immobilienerwerb in Istanbul bzw. in der Türkei, geben viele Tipps und Reiseinformationen für die Region.

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