Sehenswürdigkeiten im Portrait: der Dolmabahçe-Palast

Sehenswürdigkeiten im Portrait: der Dolmabahçe-Palast 

Istanbul hat eine schier grenzenlose Menge an Sehenswürdigkeiten zu bieten. Bei einem kurzen Besuch bleibt deshalb meist gar nichts anderes übrig, als eine Auswahl zu treffen. Die Hagia Sophia, die Blaue Moschee, der Topkapı-Palast und der Große Basar stehen so gut wie immer auf dem Besichtigungsprogramm.

Doch es gibt eine weitere Sehenswürdigkeit, bei der sich ein Besuch lohnt: der Dolmabahçe-Palast. Er beeindruckt nicht nur wegen seiner prächtigen und prunkvollen Ausstattung, sondern erzählt einen wichtigen Teil der osmanischen und der türkischen Geschichte.

 

Die Lage des Dolmabahçe-Palastes

Der Dolmabahçe-Palast heißt auf türkisch Dolmabahçe Sarayı, was übersetzt Palast der vollen Gärten bedeutet. Er liegt direkt am Ufer des Bosporus, auf der europäischen Seite Istanbuls.

Ursprünglich war Dolmabahçe eine Bucht, die der osmanischen Flotte als Ankerplatz diente. Nach deren Verlandung wurde im 17. Jahrhundert an dieser Stelle ein königlicher Garten errichtet, in dem auch mehrere kleine Schlösser und Sommerresidenzen ihren Platz fanden. Dabei wird der Bereich im Westen von einem steilen Abbruch und im Osten vom Bosporus begrenzt. Dieser Lage ist geschuldet, dass die Gartenanlage nicht in einer Größe errichtet werden konnte, die für derartige Paläste in Mitteleuropa üblich ist.

 

Die Entstehung des Dolmabahçe-Palastes

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war der Topkapı-Palast die Residenz des Sultans. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts waren jedoch zunehmend intensive Kontakte zu Zentraleuropa gepflegt und einige kulturelle Standards aus Europa auch im Osmanischen Reich übernommen worden.

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Vor diesem Hintergrund war es dem osmanischen Sultan ein wichtiges Anliegen, dass sich seine Hauptresidenz ebenfalls mit europäischen Standards messen lassen konnte. Also erteilte Sultan Abdülmecid I. den armenischen Architekten Karabet und Nikoğos Balyan den Auftrag, den Dolmabahçe-Palast zu bauen. Beide Architekten verfügten auch über eine europäische Architektenausbildung. Der Palast wurde zwischen dem 13. Juni 1843 und dem 7. Juni 1856 errichtet und im weiteren Verlauf dann von den nachfolgenden Herrschern mehrfach aus- und umgebaut.

Die Baukosten beliefen sich auf rund fünf Millionen Pfund Sterling. Das entsprach seinerzeit ungefähr einem Viertel der Steuereinnahmen eines Jahres. Finanziert wurde die Baumaßnahme durch die Ausgabe von Papiergeld, was weitere Kosten verursachte. Der Finanzminister soll dem Sultan die Frage nach den Baukosten mit einem Betrag von 3.500 Piaster, was gerade einmal 32 Pfund Sterling waren, beantwortet haben.

Dieser Betrag entsprach aber natürlich nicht den tatsächlichen Baukosten, sondern bezifferte lediglich die Kosten, die der Druck des Papiergeldes verursacht hatte. Jedenfalls belastete dieses Finanzgebaren die Staatskasse massiv und war ein Grund dafür, dass es in der zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem Staatsbankrott kam und das Osmanische Reich finanzpolitisch unter die Zwangsverwaltung von ausländischen Mächten gestellt wurde.

 

Die Architektur des Dolmabahçe-Palastes

Der Dolmabahçe-Palast ist 600 Meter lang und hat eine Fläche von 45.000 m2. Er umfasst 46 Säle, 285 Zimmer, sechs Hamam und 68 Baderäume.

Vor allem vom Bosporus aus gesehen, erscheint der Dolmabahçe-Palast als Zweiflügelanlage im klassischen europäischen Stil. So wird der große Mittelrisalit von Seitenrisaliten flankiert. Im Inneren hingegen folgt die Aufteilung dem traditionellen osmanischen Stil. Dabei gibt es einen südlichen Flügel mit den öffentlichen Repräsentationsräumen und einen davon streng abgetrennten nördlichen Teil, der den weitläufigen Wohnbereich des Sultans und seinen Harem beherbergt. Als Verbindung zwischen diesen beiden Teilen dient der große Empfangssaal mit seiner 2000 m2 großen Fläche und der 36 Meter hohen Kuppel. 

Der Harem musste komplett von der Außenwelt abgeschlossen sein. Anders als in einem europäischen Palast betritt ein Besucher das Palastgebäude deshalb an der südlichen, schmalen Seite. Hier befindet sich der Haupteingang, der zu den Repräsentationsräumen führt, in denen Gäste und ausländische Staatsmänner empfangen werden. Durch die nächsten Räume hindurch führt der Weg dann bis zum zentralen Empfangssaal.

Dahinter sind die Räumlichkeiten des Harems angeordnet. Der Harem umfasst acht Apartments, die miteinander verbunden sind und jeweils über einen eigenen Baderaum verfügen. Die Apartments waren für die Frauen des Sultans und für seine Mutter bestimmt.

Die Terrasse ist dem Bosporus zugewandt und zum Ufer hin durch einen hohen Zaun geschützt. Die Tore des Zauns führen zu Anlegestellen, die heute aber nur noch gelegentlich genutzt werden.

 

Die Ausstattung des Dolmabahçe-Palastes

Die Ausstattung des Serails war technisch auf dem neuesten Stand, der seinerzeit jeweils verfügbar war. Der Palast war beispielsweise von Beginn an mit einer Gasbeleuchtung ausgestattet. Außerdem verfügte er, anders als die damaligen zentraleuropäischen Paläste, über wassergespülte Toiletten. Die Technik dafür war aus Großbritannien importiert worden. Nachträglich wurde die Ausstattung des Dolmabahçe-Palastes um eine Zentralheizung und einen Aufzug ergänzt.

Neben den technischen Komponenten ist die übrige Einrichtung des Palastes aber nicht weniger beeindruckend. So wurden allein für die goldenen Verzierungen der Palastdecken 14 Tonnen Gold verarbeitet. In der zentralen Halle hängt der größte Kronleuchter der Welt. Anders als oft behauptet, handelt es sich bei dem Kronleuchter aber nicht um ein Geschenk von Königin Viktoria.

Vielmehr gibt es Dokumente, die belegen, dass der Kronleuchter gekauft und bezahlt wurde. Die weltweit größte Sammlung von Kristallleuchtern aus Baccarat und Böhmen ist ebenfalls im Dolmabahçe-Palast zu finden. Aus Kristall ist auch ein Treppengeländer in einem der repräsentativen Treppenhäuser gefertigt. Der Einrichtungsstil im Dolmabahçe-Palast zeigt den osmanischen Historismus mit Elementen aus der europäischen Renaissance und dem Barock.

 

Die Nutzung des Dolmabahçe-Palastes

1856 zog der Hof aus dem alten, mittelalterlich geprägten Topkapı-Palast in den prächtigen Dolmabahçe-Palast um. Bis zum Ende der Monarchie blieb der Dolmabahçe-Palast die Residenz der osmanischen Sultane. Eine Ausnahme bilden nur die Jahre 1889 bis 1909, in denen der Yıldız-Palast zur Residenz wurde. Nachdem der Sultan abgesetzt worden war, nutzte Mustafa Kemal Atatürk den Dolmabahçe-Palast als Regierungssitz. Später, nachdem Ankara zur Hauptstadt der Türkei wurde, blieb der Dolmabahçe-Palast Atatürks Residenz in Istanbul. Nennenswerte Umbauten wurden dafür nicht mehr vorgenommen.

Am 10. November 1938 verstarb Atatürk im Dolmabahçe-Palast. Sein Todeszeitpunkt war um 9:05 Uhr. Daraufhin wurden alle Uhren im Palast auf diese Uhrzeit eingestellt und angehalten. Dies blieb über Jahrzehnte so. In Atatürks Sterbezimmer zeigt die Uhr auch heute noch die Uhrzeit 9:05 Uhr an. Die übrigen Uhren im Palast laufen ebenfalls nicht. Allerdings werden sie gelegentlich verstellt, damit sie keinen Schaden nehmen. Deshalb zeigen sie unterschiedliche Uhrzeiten an.

 

Der Dolmabahçe-Palast heute

Der Dolmabahçe-Palast wird nach wie vor für repräsentative staatliche Anlässe wie beispielsweise Staatsbesuche genutzt. Gleichzeitig ist er aber für Publikum geöffnet und kann besichtigt werden. Und ein Besuch lohnt sich wirklich. Denn zum einen ist der Dolmabahçe-Palast ein eindrucksvoller Beleg für die Pracht und den Prunk des Orients. Zum anderen erlaubt der Palast interessante Einblicke in die Strukturen des osmanischen Hofes samt seinem Harem. Und nicht zuletzt dokumentiert der Palast ein Stück türkischer Geschichte.

Der Besucher kann sich den Palast alleine anschauen oder an einer Führung teilnehmen. Daneben gibt es Pakete, die eine Fahrt auf dem Bosporus und eine Führung durch den Palast miteinander kombinieren. Auf diese Weise sieht der Besucher den Palast erst von außen als Gebäude im klassisch-europäischen Stil und erlebt anschließend innen die typisch osmanische Raumaufteilung in ihrer ganzen Schönheit.

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